und kauerte auf dem Boden nieder und bald war der Kummer der sie ergriff so überwältigend daß sie mit den Gesicht auf den Boden sank und denselben mit ihren heißen Thränen befeuchtete Sie hatte so gute Vorsätze gehabt und war so froh gewesen in deren Ausführung und in dem Bewußtsein zum ersten Male in ihrem Leben Liebe und Achtung zu erwerben — und nun lag sie wieder da zu Boden geworfen mit Füßen getreten O könnte ich sterben schluchzte sie in gebrochenen Lauten — Nicht so Jane sagte plötzlich eine sanfte Stimme neben ihr Du thust Unrecht mit solchem Wunsch Lebe um zu beweisen daß Du unserer Liebe wert bist — Es war Fräulein Tempel welche Jane 's gebrochene kleine Gestalt aufrichtete und ihr gütig in das verweinte Gesicht blickte Weshalb möchtest Du sterben Weil dan mich fälschlich beschuldigt hat und weil sie alle mich nun für schlecht hallen wenden — Wir werden Tuch für das halten mein Kind als was Du Dich erweisest Fahre fort ein gutes Mädchen zu sein so wirst Du mich überzeugen daß Du brav bist — Werde ich das fragte Jane schüchtern — Gewiß sagte Fräulein Tempel den Arm um sie legend Und jetzt erzähle mir alles und sage mir wer die Dame ist welche Herr Brockelhurst Deine Wohlthäterin nannte — Unbeschreiblich getröstet durch Fräulein Tempel 's Worte erzählte Jane von Gates-Hall und ihrer freudlosen Kindheit von der Familie Reed und dem Ereigniß mit dem roten Zimmer sie erwähnte auch des Doktor Knoll auf dessen Veranlassung sie glaubte in die Schule geschickt zu sein und Fräulein Tempel sagte bei dessen Erwähnung Ich kenne den Doktor und werde an ihn schreiben Deinetwegen wenn er alle Deine Angaben bestätigt sollst Du vor jedermann freigesprochen werden von allen Anschuldigungen in meinen Augen bist Du es jetzt schon Und jetzt geh in 's Speisezimmer und trink Deinen Kaffee mein Kind Sie kütßte Jane deren Herz in diesem Augenblick zum ersten Male den Segen wahrer Güte und Teilnahme empfand — Etwa eine Woche nach diesem Vorfall versammelte Fräulein Tempel die ganze Schule und verkündete daß sie die gegen Jane Eyre gemachten Beschuldigungen näher untersucht habe durch einen glaubwürdigen Zeugen überzeugt worden sei daß dieselben falsch gewesen seien und nun zu ihrer Freude dieselbe frei von aller Schuld erklären könne Alle Lehrerinnen drückten darauf Jane die Hand und ein Murmeln der Freude durchlief die Reihen der Mitschülerinnen — So von einer großen Last befreit machte sich Jane von der Stunde an mit frischem Mute an die Arbeit fest entschlossen sich durch alle Schwierigkeiten hindurch einen Weg zu bahnen und ihre Fortschritte waren ihren Anstrengungen angemessen Bald wurde sie in eine höhere Klasse versetzt und durfte mit dem von ihr ersehnten Zeichenunterricht beginnen Diese Erlaubniß machte ihr den Tag zum Festtag an jenem Abend vergaß sie beim Schlafengehen sich in der Phantasie jenes Leckermahl von heißen gerösteten Kartoffeln oder weißem Brot und frischer Milch zu bereiten womit sie ihren Hunger zu täuschen gewohnt war statt dessen hatte sie sich an idealen Zeichnungen