den Einkauf aller Lebensmittel und Kleidungsstücke dabei von dein Prinzip ausgehend wie er bei jeder Gelegenheit salbungsvoll bemerkte daß die Zöglinge von Lowood keinen Luxus kennen lernen dürften vielmehr in Selbstverleugnung und Opferfreudigkeit geübt werden müßten In Folge dessen war die Kost mager und kraftlos und bei dem Appetit heranwachsender Kinder in ihren Portionen kaum genügend um einen noch schwachen genesenden Kranken am Leben zu erhalten Unter diesem Mangel an Nahrung hatten die jüngeren Schülerinnen noch mehr zu leiden weil die größeren Mädchen bei jeder Gelegenheit den kleineren so lange schmeichelten und drohten bis diese mit ihnen die kärglichen Portionen noch teilten Gar oft verteilte Jane das kostbare Stück Schwarzbrot das sie zur Theezeit Abends erhielt an zwei Mädchen die sie regelmäßig darum bestürmten und wenn sie dann noch an eine dritte den halben Inhalt ihres Theebechers abgetreten hatte verschluckte sie oft den Rest unter heimlichen Thränen die ihr der Hunger auspreßte — Die achtzig Mädchen der Anstalt im Alter von 8 bis 18 Jahren gewährten einen seltsamen Anblick mit ihren glatt aus dem Gesicht gekämmten Haaren welcher Haartracht sich auch das widerspenstigste Lockenhaar fügen mußte ihren hoch heraufgehenden schlichten braunen Kleidern welche oben mit einem schmalen weißen Halsstreifen versehen waren und den großen grauleinenen Schürzen mit dem Täschchen an der Seite welches als Arbeitsbeutel dienen mußte Die Disciplin war eine senge militärische und wurde gehandhabt ohne Rücksicht auf das Alter und die Gesundheit der einzelnen Zöglinge Zum Glück war die Vorsteherin Fräulein Tempel sanften mitfühlenden Herzens und suchte nach Kräften das harte Los der Kinder durch Wort und That zu lindern doch war sie wie alle übrigen Lehrerinnen gezwungen den Anordnungen des Herrn Brockelhurst nachzukommen und war somit ihre Macht eine höchst beschränkte Die Kinder liebten sie fast ohne Ausnahme und Jane faßte bald eine grenzenlose Verehrung für die schöne ernste doch immer gütige Vorsteherin — Das erste Vierteljahr in Lowood schien ihr eine Ewigkeit zu dauern denn es bestand für Jane in einem Kampf mit Schwierigkeiten aller Art um sich an die neue Lebensweise die strengen Regeln und ungewohnten Aufgaben zu gewöhnen Ueberdies war der Winter ungemein hart und wurde ihr dadurch der Uebergang aus dem mit allem Komfort des Reichtums ausgestatteten Gates-Hall in das Not und Entbehrung auferlegende Lowood-Stift unbewußt noch schwerer Hätte sie eine teure Heimat und liebevolle Eltern zu verlassen gehabt das schmerzlichste Heimweh würde sie ergriffen haben so jedoch ohne eine freundliche Erinnerung an die Vergangenheit losgelöst von allen Beziehungen dazu beseelt von dem ernsten Willen Kenntnisse zu sammeln und die Liebe und Achtung ihrer Umgebung zu gewinnen gelang es der Energie des kleinen anscheinend so zarten schüchternen Mädchens allmählig alle Schwierigkeiten zu überwinden und eine gewisse Freudigkeit an ihrem Leben zu gewinnen — Schon hatte sie sichtbare Fortschritte gemacht sich sogar schon einige Male an die Spitze ihrer Klasse geschwungen Fräulein Tempel hatte ihr warmes Lob erteilt und ihr versprochen sie am Unterricht im Zeichnen und Französischen Teil nehmen zu lassen falls sie noch zwei Monate so gute Fortschritte mache Bei ihren Mitschülerinnen