Wie gestern wurde ich überall abgewiesen wie gestern quälte mich der Hunger Es ist Nacht ich bin weit von dem Dorfe entfernt und irre scheu und ganz durchnäßt in der schmutzigen Moorgegend umher ohne die geringste Hoffnung mehr aber vom Sturm und Regen vorwärts getrieben welche es mir unmöglich machten auf einer Stelle zu bleiben Ein Licht das ich anfangs für ein Irrlicht hielt zog meinen Blick auf sich und wurde der Zielpunkt meines Laufes Ich komme an ein langes niedriges Haus an dem ein einziges Fenster erleuchtet ist Ich werfe einen Blick hinein und sehe zwei junge Mädchen ihrer Ähnlichkeit nach zu urteilen Schwestern am Kamin sitzen und lesen Neben ihnen strickt eine alte Dienerin Die jungen Damen sind ganz in Trauer gekleidet aus einigen Bruchstücken ihres Gesprächs welche ich durch das Fenster vernahm erfuhr ich daß ihr Vater vor kurzem gestorben war und daß sie diesen Abend die Zurückkunft ihres älteren Bruders erwarteten Ohne zu wissen was ich von dieser augenscheinlich achtbaren Familie hoffen durfte klopfte ich an die Tür Die alte Dienstmagd öffnete mir aber bei meinem Anblick malte sich ein sehr natürliches Mißtrauen in ihren Gesichtszügen Was wollen Sie woher kommen Sie fragte sie mich Ich bin hier fremd und wünsche nichts als ein Stück Brot und einen Winkel wo ich die Nacht zubringen kann Hier haben Sie einen Penny damit Sie sich Brot kaufen können aber ein Nachtlager haben wir nicht für eine Landstreicherin Lassen Sie mich mit Ihrer Herrschaft sprechen Wo denken Sie hin ich sollte sie mit einem Weibe sprechen lassen welche des Nachts und bei einem solchen Wetter im Freien umherläuft Nehmen Sie Ihren Penny und gehen Sie Die ehrliche Magd stieß in ihrem Eifer schon die Tür wieder zu Um des Himmels willen lassen Sie mich ein rief ich aus wenn Sie mich abweisen so ist es um mich geschehen Schon gut schon gut erzählen Sie anderen Ihre schönen Geschichten Sie würden nicht so viel Lärm machen wenn Sie das wären wofür Sie sich ausgeben wollen Sagen Sie Ihren Kameraden wenn Sie solche haben daß wir nicht allein sind daß wir einen Hausherrn und einen Kettenhund haben Nach diesen Worten wurde die Tür mit großem Geräusch zugeworfen und verschlossen Dies war mein Todesstoß und ich war wie vernichtet Weitergehen konnte ich nicht denn ich hatte seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen und meine Kräfte waren gänzlich erschöpft Die Angst preßte mir neue Tränen aus ich rang verzweiflungsvoll die Hände und fiel auf die feuchten Stufen vor der Haustür nieder Jetzt erschien mir das Gespenst des Todes in seiner ganzen Gräßlichkeit denn ich sah ein daß ich den Morgen nicht erleben würde Alle Hoffnung aller Mut hatte mich verlassen Mit einem letzten Schimmer des Vertrauens flüsterte ich indessen noch die Worte vor mir hin Etwas Schlimmeres kann mir doch nicht mehr geschehen als daß ich sterbe und ich glaube an Gott Ich werde daher in stiller Ergebenheit warten daß er mir seinen Willen kundgibt Dann drängte ich all mein Elend in mein Herz