Als die Verbindung geschlossen war wurden meine Illusionen bald gestört Wenige Tage waren hinreichend damit ich zu meinem tiefen Schmerz die gemeinen Neigungen den beschränkten Geist und den gefährlichen Charakter des jungen Mädchens erkannte das ich zur Gefährtin meines Lebens erwählt hatte Ich fand in ihr sehr bald ein Gemisch von Einfalt angeborener Schlechtigkeit Leichtsinn und Heftigkeit Noch traurigere Erfahrungen zeigten mir die Zukunft in der drohendsten Gestalt und meine neue Familie als unwürdig meiner Achtung Ein weniger starker Charakter würde unter der Last eines solchen nicht wieder gut zu machenden Unglücks erlegen sein Ich kämpfte vier Jahre lang indem ich meinen tiefen Abscheu und Widerwillen zu verbergen und die zügellosen entehrenden Neigungen meiner unwürdigen Gattin zu verändern oder wenigstens zu mildern versuchte Aber ungeachtet aller meiner Anstrengungen entwickelten sich die Laster dieser Frau mit einer entsetzlichen Geschwindigkeit Sie setzte alle Rücksichten aus den Augen und ihr öffentlich beschimpfter Gatte mußte daran denken sich von ihren drückenden Fesseln zu befreien Aber gerade zu dieser Zeit erklärte sich der Wahnsinn der Mistreß Rochester vollständig die Ehescheidung wurde unmöglich und ich Unglücklicher sah mich einem Schicksal preisgegeben das mir die Habsucht meiner Eltern die Falschheit der Familie Mason und meine eigene Unbesonnenheit bereitet hatten Ich hätte die Wahnsinnige ihrem Schicksal überlassen und von Jamaika fliehen können aber mein Stolz empörte sich gegen eine so feige Durchhauung des Knotens Unschlüssig was ich beginnen sollte überließ ich mich ganz meinem Kummer welcher von Verzweiflung nur wenig verschieden war Meinen Vater hatte ich schon früh verloren und aus einem um jene Zeit anlangenden schwarzgesiegelten Brief erhielt ich auch noch die Nachricht daß mein Bruder mit Tode abgegangen sei So fielen denn alle väterlichen Besitzungen wieder mir zu und dennoch bei allen Reichtümern deren Besitzer ich nun wurde wer war unglücklicher als ich Auf Jamaika war mein Unglück allbekannt Man heuchelte mir Mitleid über den Schiffbruch meines häuslichen Glückes und unter dieser heuchlerischen Maske schimmerte doch nur Spott und Hohn hervor Mein dortiger Aufenthalt wurde mir unerträglich und da ich wegen der Regelung meiner brüderlichen Erbschaft ohnehin nach England zurück mußte so beschloß ich die Wahnsinnige die schon damals kaum mehr menschenähnlich war mit dorthin zu nehmen Ihr Wahnsinn war nach dem einstimmigen Ausspruch verschiedener Arzte unheilbar und so hätte es mir nichts nützen können sie in einer Heilanstalt für Geisteskranke unterzubringen wodurch ohnehin diese Verhältnisse deren ich mich schämte auch in meinem Vaterlande bekannt geworden wären ich zog es vor mein Unglück den Augen der Welt zu entziehen und ließ hier alles zur Aufnahme der Wahnsinnigen instand setzen wo sie von einer Hüterin bewacht den Rest ihres tierähnlichen Lebens verbringen sollte Rochester erzählte mir nun weiter wie er nach Regelung seiner Erbangelegenheiten den Entschluß faßte durch weite Reisen den Kummer zu zerstreuen der seine Gesundheit untergrub Aber bei einem so feurigen Temperament bei einem so leicht hinzureißenden Charakter der namentlich bei dem Bedürfnis zu vergessen welches den seit dem Tode seines Vaters und seines älteren Bruders reich gewordenen jungen Mann überallhin verfolgte war es wohl