zugetraut hatte um bei dem Mißvergnügen der schmerzlichen Überraschung der Besorgnis und der Angst standhaft zu bleiben welche sich in den Zügen meines Geliebten malten wenn ich mich absichtlich übellaunig oder gekränkt oder spöttelnd oder zerstreut stellte um nicht zu hingebend zu unterwürfig und besonders von seiner Leidenschaftlichkeit nicht zu sehr angesteckt zu werden Bedenken Sie wohl teure Freundin daß mein zukünftiger Gatte damals die ganze Welt für mich war daß die Hoffnung von ihm geliebt zu werden mir Ersatz für jede andere Hoffnung war Er stand zwischen meiner Seele und jedem frommen Gedanken wie die Wolke zwischen dem Auge des Menschen und den Strahlen der Sonne er war mein Idol geworden Die vier Wochen dünkten Rochester eine Ewigkeit Fast jeden Abend berechnete er wie viele Tage noch bis zur Hochzeit übrig wären Dann und wann schien eine trübe Ahnung sich seiner zu bemächtigen und wenn ich ihn bat mir die Befürchtung mitzuteilen welche ihn zu quälen schien so antwortete er durch ein gezwungenes Lächeln hätte ich in die Zukunft blicken können so würde ich diese Befürchtung erkannt und weh sie nur zu sehr geteilt haben Neunte Abteilung Die Braut am Traualtar Ich hatte die vier gefährlichen Wochen glücklich überstanden und der Tag unserer Verbindung war gekommen Es war alles für die unmittelbar nachher festgesetzte Abreise vorbereitet gepackte und geschnürte Koffer füllten mein kleines Zimmer Sie waren nur noch mit den schon geschriebenen Adressen zu versehen auf denen ich mit Erstaunen den Namen einer Person las von der ich mir noch keine klare Vorstellung machen konnte Mistreß Jane Rochester in London Sophie kam sehr früh zu mir um mich anzukleiden und wahrscheinlich brauchte sie viel Zeit dazu denn Rochester ließ sich in seiner Ungeduld nach dem Grunde meines langen Ausbleibens erkundigen Dann hörte ich seine unwillige Stimme am Fuße der Treppe und indem ich mich endlich den allzu diensteifrigen Händen meines Kammermädchens entzog eilte ich hinunter in den Speisesaal Mr Rochester erwartete mich mit Sehnsucht umarmte und küßte mich Nun bist du bald nicht mehr die elternlose Waise sagte er das arme von den Launen des Schicksals und der Hartherzigkeit der Menschen herumgestoßene Mädchen nun bist du bald mein auf ewig meine zärtlich geliebte Gattin die Lebensbegleiterin eines Mannes der deinen hohen Wert vollständig erkannt hat und der es fortan für seine Lebensaufgabe halten wird dich zu beglücken Hierauf meinen Anzug musternd sagte er mir allerlei Schmeichelhaftes wovon mir unter anderem noch die Worte erinnerlich sind Du bist schön wie eine Lilie Dann verließ er mich auf kurze Zeit um der Dienerschaft mehrere Befehle zu erteilen Wenn wir aus der Kirche zurückkommen muß der Wagen in völliger Bereitschaft zur Abreise sein die Koffer müssen aufgepackt und der Kutscher auf dem Bocke sein hörte ich ihn seinen Dienern sagen Die kurze Zeit welche ich allein im Saal war benutzte ich um der Vorsehung die mich durch des Lebens Irrwege so wunderbar bis hierher geleitet hatte meinen Dank darzubringen und mir die schöne Bestimmung der ich nun entgegenging durch folgende Betrachtungen zu