und Verdruß zu entdecken aber noch zu keiner Zeit war mir dieses Gesicht so wolkenlos und frei von jedem unangenehmen Eindrucke erschienen Wenn ich zuweilen in den Stunden welche ich mit Adele bei Mr Rochester zubrachte einen Anfall von Niedergeschlagenheit hatte und kein Wort sprach so zeigte er sogar um mich zu beruhigen eine ganz natürliche und aufrichtige Heiterkeit wie ein junger Mann der an seiner eigenen Fröhlichkeit Vergnügen findet Nie hatte er unsere Gesellschaft öfter verlangt nie war er so gut und freundlich gegen mich gewesen und ach nie hatte ich ihn so sehr geliebt Achte Abteilung Rochesters Heiratsantrag Am Abend vor dem Johannestage war Adele nachdem sie den Nachmittag damit zugebracht hatte in der Umgegend Walderdbeeren zu suchen sehr frühzeitig zur Ruhe gegangen und als ich überzeugt war daß sie schlief ging ich hinunter in den Garten Eine Abteilung desselben bildete einen Obstgarten ein wahres kleines Paradies von dicht nebeneinander stehenden Bäumen das vom Hofe durch eine sehr hohe Mauer und von dem übrigen Garten durch eine Buchenallee getrennt war Am äußersten Ende blickte man über eine Wolfsgrube ins Freie Dahin führte eine Art Labyrinth von Lorbeerbüschen in dessen Mitte ein mit Bänken umgebener großer Kastanienbaum stand Es war dies mein Lieblingsplatz und um den schönen Abend zu genießen beabsichtigte ich da eine Weile zu verbleiben Kaum hatte ich mich jedoch niedergesetzt so spürte ich den Rauch einer Zigarre wie Mr Rochester sie gewöhnlich rauchte In der Tat war mein Gebieter mir in den Garten gefolgt und kam gerade auf den Kastanienbaum zugegangen unter welchem ich saß Er setzte sich neben mich Noch so spät im Garten Miß Eyre Ich wollte den schönen Abend genießen Dieser Wunsch hat auch mich ins Freie geführt Das Schicklichkeitsgefühl untersagte mir an der Seite meines Gebieters noch länger zu verweilen Nach einigen gewöhnlichen Worten beurlaubte ich mich Mr Rochester eine gute Nacht wünschend Aber Mr Rochester hielt mich bei der Hand zurück Warum eilen Sie denn so Ist es nicht unrecht sich an einem so herrlichen Abend zwischen seine vier Wände zu vergraben Jedenfalls wählt man nicht den Augenblick zum Schlafengehen wenn die scheidende Sonne noch dem emporsteigenden Mond gegenübersteht Ich kann mich gewiß nicht beklagen daß es mir im allgemeinen an der Gabe fehlt leicht und rasch zu antworten aber es gibt Augenblicke wo meine Geistesgegenwart mich im Stich läßt namentlich wenn es darauf ankommt statt eines wahren Grundes den ich nicht sagen kann einen plausiblen Vorwand eine leere Entschuldigung anzuführen Auch habe ich die Bemerkung gemacht daß mir dies um so schwerer wird einen je größeren Wert ich auf eine Weigerung lege deren schmerzlichen Eindruck ich mildern möchte Ich fand es nicht schicklich mit Rochester in dem dunklen Baumgarten spazieren zu gehen und doch wußte ich nicht welchen Grund ich angeben sollte um ihn zu verlassen als er zu wünschen schien daß ich bei ihm blieb Ich begleitete ihn daher mit zaudernden Schritten während ich über eine ehrbare Lüge nachsann aber er schien mir so vollkommen ruhig meinen Besorgnissen so