aus dem Zimmer ohne von jemand gesehen worden zu sein Im Korridor bemerkte ich daß mein Schuhband aufgegangen ist und ich bückte mich daher um es wieder in Ordnung zu bringen Fast in dem nämlichen Augenblick wird die Tür des Speisesaales geöffnet ich richte mich eiligst empor und stehe Herrn Rochester gegenüber Wie befinden Sie sich fragte er mich Ganz wohl erwiderte ich Warum haben Sie mich im Salon nicht angeredet Ich dachte bei mir daß ich ihm wohl mit der nämlichen Frage antworten könnte Aber so viel Freiheit wollte ich mir nicht herausnehmen Ich fürchtete Sie zu stören Was haben Sie während meiner Abwesenheit getan Ich habe mich mit Adele beschäftigt Diese Beschäftigung scheint Sie angegriffen zu haben denn Sie sind blässer als gewöhnlich Sie kommen mir vor wie damals als ich Sie zum erstenmal sah Sie haben sich doch jene Nacht in meinem Schlafzimmer nicht erkältet Nicht im entferntesten Dann gehen Sie wieder in den Salon Sie verlassen uns zu früh Ich bin müde Und ein wenig betrübt Was fehlt Ihnen sagen Sie es mir Durchaus nicht ich bin keineswegs betrübt Sie sind es sogar in einem solchen Grade daß Ihnen die Tränen nahe stehen Was sage ich sie glänzen schon in Ihren Augen und sind im Begriff überzuströmen Eine davon hängt schon an Ihren Wimpern Wenn ich Zeit hätte und nicht fürchten müßte daß ein Bedienter uns hier findet so möchte ich den wahren Grund von dem allen wissen Für diesen Abend will ich Sie entschuldigen aber ich erwarte oder ich hoffe vielmehr daß Sie nicht unterlassen jeden Abend in den Salon zu kommen so lange meine Gäste hier sind Lassen Sie jetzt Adele holen Gute Nacht meine Er hielt inne biß sich auf die Lippen und entfernte sich rasch Der förmliche Befehl des Mr Rochester bei seinen Soireen zu erscheinen war mir ebenso auffallend als unerklärlich ich würde der bloßen Einladung nur dann und wann nachgekommen sein dem Befehle glaubte ich gehorchen zu müssen Hatte ich sonst keinen Nutzen davon so sammelte ich doch einige Erfahrung auf dem Gebiete der Menschenkenntnis und der geselligen Zustände Mit der Zeit beruhigten mich nach und nach die Beobachtungen welche ich auf diese Weise machte anstatt mich zu betrüben Nicht weil sie einen Zweifel an der bevorstehenden Verbindung Miß Blankas mit meinem Gebieter in mir aufkommen ließen sondern weil sie mir die Gewißheit verschafften daß das Herz des letzteren dabei keine große Gefahr lief Ich hatte Rochester geliebt ehe ich wußte daß er diese Verbindung beabsichtigte Es war ganz natürlich daß meine Liebe nicht in einigen Tagen schwinden konnte gerade deshalb weil er sich mit einer anderen vermählen wollte Ebenso natürlich würde es aber auch sein daß ich eifersüchtig gewesen wäre allein dies war ich nicht oder doch nur in immer seltener werdenden Augenblicke Und warum dies Sie werden über diese Sonderbarkeit lächeln weil ich Miß Ingram ungeachtet ihrer vollendeten Schönheit meiner Eifersucht nicht für würdig hielt Sie war schön aber es fehlte ihr an natürlichem Reiz An ihren Gesichtszügen