vor der rohen Häßlichkeit dieses von Gott verworfenen Geschöpfes Der ganze Tag verging unter diesen Betrachtungen welche den sehnlichsten Wunsch einer Unterredung mit Mr Rochester in mir erweckten Jetzt durfte er mir nichts mehr verschweigen ich hatte ein Recht auf sein unbegrenztes Vertrauen erlangt und vielleicht auf noch mehr als dies Ich erwartete daher den Abend mit einer nicht zu beschreibenden Ungeduld Der Abend kam Adele verließ mich um zu Bett zu gehen Dies war die Zeit zu welcher im Salon die Glocke ertönte zum Zeichen daß ich entboten werden sollte Leah kam dann mit dem gewöhnlichen Auftrage zu mir Mr Rochester läßt Sie ersuchen zu ihm hinunter zu kommen Aber Leah ließ diesmal lange auf sich warten und ich hatte überhaupt obgleich ich beständig acht gab den ganzen Tag über weder die Stimme noch den Schritt Mr Rochesters gehört Endlich erschien Leah jedoch um zu sagen daß der Tee bei Mistreß Fairfax serviert sei Kommen Sie rasch mein liebes Kind sagte die gute Dame sobald sie mich erblickte Sie müssen sehr hungrig sein denn Sie haben ohne es selbst zu bemerken bei Tische fast gar nichts gegessen Kommen Sie näher wird es Ihnen zu kalt am Fenster sein Ich denke nicht es ist ja schön Mr Rochester hat es gut getroffen Ist Mr Rochester nicht hier Nein er ist nach dem Frühstück nach Pres-Clos zu Mr Eshton geritten zehn Meilen jenseits Milcote Erwarten Sie ihn diesen Abend zurück Weder diesen Abend noch morgen er wird wohl etwa vierzehn Tage wegbleiben Man amüsiert sich vortrefflich bei Mistreß Eshton es sind immer viel schöne Damen dort zum Beispiel Blanka und Marg Ingram und namentlich von Blanka trennt sich Mr Rochester sehr ungern Blanka Ingram wohnte zehn Meilen von Thornfield-Hall Sie war ein schönes Mädchen welchem die Natur alle Gaben verliehen hatte um einen Mann zu fesseln und die von den vierzig Jahren des Mr Rochester wenig erschreckt wurde da ihr Gelegenheit gegeben war mit Hilfe seines Vermögens als Staatsdame zu leben Mistreß Fairfax schilderte mir mit der größten Ausführlichkeit Blankas Reize ihren königlichen Wuchs ihre schneeweißen Schultern ihre großen schwarzen Augen ihre wohlklingende Stimme ohne zu ahnen welchen Schmerz sie mir dadurch bereitete Sie erzählte mir wie Mistreß Ingram mit ihren Töchtern vor einigen Jahren nach Thornfield-Hall gekommen war welche schöne Duette Mr Rochester und Blanka gesungen hatten die beide ausgezeichnet musikalisch waren und füreinander geschaffen zu sein schienen Sie hörte den ganzen Abend nicht auf über diesen Gegenstand zu sprechen Ach welche Gewissensbisse fühlte ich jetzt Wie verächtlich erschienen mir in diesem Augenblick die törichten Einflüsterungen meiner überspannten Hoffnungen Welch ein strenges Verdammungsurteil sprach meine Vernunft über sie War es denn möglich daß ich ein kränkliches häßliches Mädchen ohne Herkunft und ohne Reichtum deren mangelnde Reize durch nichts anderes ersetzt wurden eine arme Gouvernante an die Eroberung dieses Mannes hatte denken können an den mein erbärmliches Los mich durch käufliche Bande fesselte Dies waren meine Gedanken und je heftiger sie auf mich eindrangen um so weniger Nachsicht fühlte ich für