Sophie ihre französische Bonne den großen Vorteil über Mistreß Fairfax daß ich die Sprache ihres Vaterlandes sprach Adele war in Frankreich und wie mir schien von einer französischen Mutter geboren und hatte die fremdartige Erziehung genossen welche die geistige Entwicklung der Jugend zu ihrem größten Nachteil beschleunigt Eine Stunde nachdem Mistreß Fairfax mich ihr vorgestellt hatte sie mir bereits eine schmachtende Romanze vorgesungen mit reizender Anmut die Lafontainesche Fabel Der Rattenbund deklamiert und ungeachtet meiner Bitte sich nicht so sehr anzustrengen tanzte sie auch noch ich weiß nicht was für einen spanischen Tanz bis die zu gelegener Zeit ertönende Frühstücksglocke dieser Darlegung geringfügiger Talente ein Ziel setzte Nach dem Frühstück zeigte mir Mistreß Fairfax als eine Wirtschafterin deren Eitelkeit selten eine Gelegenheit hat sich auszusprechen das ihrer Obhut anvertraute Haus in allen seinen Einzelheiten Als wir in das Staatszimmer traten bemerkte ich mit Erstaunen daß alle Anstalten darin getroffen waren als ob für den nämlichen Abend eine Gesellschaft von fünfzig Personen erwartet würde Kein Stäubchen war auf den ihrer Überzeuge entblößten Möbeln zu sehen das Feuer war zurechtgelegt und in einem an den Salon stoßenden weiß ausgeschlagenen Boudoir mit gegossenen Stuckverzierungen einem marmornen Kamin und böhmischen Glasgeschirren die in Rubin geschliffen zu sein schienen erwarteten die ausgebreiteten Teppiche nur noch den Fuß des Hausherrn Ich machte Mistreß Fairfax meine Bemerkung darüber Aufrichtig gesagt Miß Eyre entgegnete sie würde ich mir aus eigenem Antrieb nicht die Mühe geben welche ein solches Arrangement erfordert aber ich habe bemerkt daß wenn Herr Rochester uns einen seiner seltenen und stets unvermuteten Besuche abstattet ihm die Unordnung und das Geräusch eines gewöhnlichen Einzugs unangenehm ist Ich habe es daher für meine Pflicht gehalten ihm diesen kleinen Verdruß zu ersparen Mr Rochester ist also wohl sehr eigen und streng Keineswegs aber er hat seine Gewohnheiten und scheint Wert darauf zu legen daß man sie achtet Es sind übrigens die eines vollkommenen Gentleman Ist er allgemein beliebt Er steht in der ganzen Umgegend in sehr hoher Achtung Die Herrschaft gehört der Familie Rochester seit undenklichen Zeiten Verzeihen Sie ich verstand meine Frage anders Lieben Sie Herrn Rochester Ich habe durchaus keinen Grund ihn nicht zu lieben Er steht allgemein in dem Rufe der Gerechtigkeit und Freigebigkeit gegen jeden der von ihm abhängt Aber sein Charakter Seinem Charakter läßt sich ebensowenig etwas Böses nachsagen Er ist vielleicht ein wenig originell aber wir haben uns nicht darüber zu beklagen Um eine Unterhaltung abzubrechen die ihr augenscheinlich nicht behagte schlug Mistreß Fairfax die ich von nun als meinesgleichen betrachtete mir vor auf die Dächer des Schlosses zu steigen wo man wie sie sagte eine wundervolle Aussicht habe Um zu der kleinen Treppe zu gelangen auf welcher man hinaufstieg gingen wir durch eine lange Reihe von Zimmern deren unbenutzte Räume eiskalte Temperatur vergilbtes Meublement und altmodische Tapeten unwillkürlich an Geistergeschichten erinnerten Die Aussicht von den Dächern war in der Tat reizend und ich gewann schon eine richtigere Ansicht als ich bis jetzt gehabt hatte von der Ausdehnung dieses schönen Landgutes das