auch eine Gattin erlangen die seinen Ansprüchen genügt und seine Mühen und Gefahren teilte Jetzt zehn Jahre nach meiner Vermählung wo ich diese Memoiren für Sie aufgeschrieben habe beste Freundin besteht meine Familie aus fünf lieblichen Kindern drei Knaben und zwei Mädchen welche Rochesters Stolz und meine Freude ausmachen Wir beratschlagen schon über die Erziehung welche wir ihnen zu geben beabsichtigen und ich habe wenigstens soviel erlang daß Rochester bei den Mädchen sich ganz meinen Anordnungen fügen will Adele hat einen geachteten englischen Gutsbesitzer geheiratet Ob ich recht glücklich geworden bin höre ich Sie fragen beste Freundin Ja ich fühle mich sehr glücklich Das Band der innigsten Liebe welches mich mit meinem Gatten verbindet scheint mit jedem zunehmenden Jahre sich noch fester knüpfen zu wollen Ein einziges Herz schlägt in unserer Brust und selbst getrennt sind wir doch immer beisammen Das Beisammensein zweier so harmonisch übereinstimmender Charaktere aber ist die reinste und höchste Seligkeit Ihr alle aber Leserinnen und Leser schöpft aus meinem Leben die Beruhigung daß das wahre Glück des Menschen nicht außer ihm sondern in ihm liegt daß Leiden und Verfolgungen leichter zu ertragen sind wenn solche unverdient sind und dass ein vorwurfsfreies Leben das höchste Gut des Menschen ist haben wir auch mit Mühen und Beschwerden zu kämpfen Aus dem folgenden Gedicht habe ich in Stunden der Prüfung und in Leiden wenn Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung sich meiner bemächtigen wollten großen Trost geschöpft möge es denselben Erfolg bei euch haben Weine nicht Wenn auch Wetter schwül und dicht Deinen Wanderpfad umgeben Lerne deinen Blick erheben Bis die Sonn aus Wolken bricht Weine nicht Wenn dir Hohn die Bosheit spricht Edelmut und Eigenwürde Leichtern jede Schmach und Bürde Und ein Gott hält einst Gericht Weine nicht Wenn der Lästerung Natter sticht Unschuld tilgt den Schlangengeifer Drum mit deinem Tugendeifer Weiche nie von Recht und Pflicht Weine nicht Wenn der Hoffnung Anker bricht Nach den Sternen mußt du streben Auf das Glück im Erdenleben Tut ein weises Herz Verzicht Weine nicht Wenn kein Fleiß dir Frucht verspricht Nicht die Zeit kann dir vergelten Schau empor in beßre Welten Wo die Treue Kränze flicht Weine nicht Wenn dein Herz im Tode bricht Dann verbluten alle Wunden Wenn der Geist vom Staub entbunden Eilt zum reinen Ätherlicht Weine nicht