und sah daß er nicht geneigt war das Wort wieder zu nehmen drehte ich den Docht meiner Lampe ein wenig empor und fuhr fort zu lesen Kurz darauf veranlaßte mich ein leises Geräusch einen Blick auf ihn zu werfen Ich wollte mir keine seiner Bewegungen entgehen lassen aber er zog nur ein Maroquinportefeuille hervor nahm einen Brief daraus den er stillschweigend las und nachdem er ihn wieder an Ort und Stelle gebracht hatte versank er von neuem in tiefes Nachsinnen Diese stumme Pantomime erweckte meine Neugier Ich fragte ihn ob er Nachricht von seinen Schwestern habe und ob seine Abreise aus England näher bevorstehe als er geglaubt habe Wollte Gott dem wäre so erwiderte er mir Ich sprach nun von mir und von der Schule indem ich alle möglichen Dinge berührte von denen der geheimnisvolle Brief handeln konnte aber ich erhielt nichts als bedeutungslose kurze Bemerkungen zur Antwort Endlich nach einem viertelstündigen Stillschweigen schlug die Uhr achtmal und diese Töne schienen Mr Rivers aus seinem Nachdenken zu wecken Legen Sie Ihr Buch einen Augenblick auf die Seite sagte er jetzt zu mir und rücken Sie näher an den Kamin Mit wachsendem Erstaunen erfüllte ich seinen Wunsch Ich bemerkte Ihnen vorhin fuhr mein sonderbarer Gast fort daß ich gern das Ende einer Geschichte wissen möchte deren erste Kapitel mir bekannt sind Ich will Ihnen diese erzählen vielleicht können Sie etwas zur Befriedigung meiner Neugier beitragen Ich stutzte bei dieser Einleitung und meine Neugierde war nicht frei von einer bangen Ahnung Vor zwanzig Jahren hob Mr Rivers an wurde ein armer Priester dessen Namen ich Ihnen seinerzeit nennen werde von einer leidenschaftlichen Liebe zu der Tochter eines sehr reichen Mannes ergriffen Sie liebte ihn wieder und bewilligte ihm ihre Hand den Wünschen ihrer Eltern entgegen welche sich aufs höchste gegen sie aufgebracht sogleich nach dieser unseligen Verbindung gänzlich von ihr lossagten Noch ehe zwei Jahre verstrichen waren beide junge Leute gestorben und ruhten zusammen unter dem nämlichen Grabstein Sie hinterließen eine Tochter welche unmittelbar nach dieser Geburt dem Mitleid fremder Menschen anheimfiel es war ein kaltes Asyl für sie ebenso kalt war der Schnee in den meine Füße auf dem Wege hierher versanken Aus Mitleid wurde dieses unglückliche Kind das keinen Freund auf der Welt hatte in dem Hause reicher Verwandten ihrer Mutter aufgenommen sie wurde von einer Tante erzogen welche der Augenblick den Namen zu nennen ist gekommen welche Mistreß Reed von Gateshead hieß Ersparen Sie sich die Mühe weiter fortzufahren unterbrach ich ihn da ich wohl sah daß er auf diese oder jene Art meine Lebensgeschichte erfahren hatte und sagen Sie mir nur woher Sie dies alles so genau wissen Aus einem Briefe den Sie mich eben lesen sahen er trägt die Unterschrift eines Advokaten namens Briggs Briggs Erwähnt er etwas von Mr Rochester Er erwähnt seiner in der Tat als des letzten Herrn in dessen Hause Miß Jane Eyre und nicht Elleot als Gouvernante gewesen ist Er gibt mir zu verstehen daß Mr Rochesters Verfahren gegen Miß Jane Eyre