von Stolz bald der gebieterischen Nothwendigkeit gehorchte die mich mit ihren unbarmherzigen Klauen zerriß Neben der Kirche nach der ich mechanisch meine Schritte richtete stand ein bescheidenes Häuschen in welchem aller Wahrscheinlichkeit nach der Pfarrer wohnte Ich kam sogleich auf die Idee daß Unglückliche wie ich sich zuerst an ihn den Diener der Milde und der Barmherzigkeit wenden müßten und daß sie ein gewisses Recht auf seinen Beistand hätten Ich faßte daher wieder einigen Muth und indem ich alle meine moralische Kraft zusammennahm klopfte ich leise nicht an die Hausthür sondern an die der Küche Eine alte Frau erschien welche mir kurz und trocken auf meine Fragen antwortete Ist hier nicht die Pfarrerwohnung »Ja Kann ich den Herrn Pfarrer sprechen Nein Wird er bald nach Hause kommen Nein er ist verreist Verreist weit von hier Nicht sehr weit ohngefähr drei Meilen Er wird in etwa vierzehn Tagen zurückkommen Könnte ich nicht mit der Frau vom Hause sprechen Es ist keine Frau hier ich bin allein und führe die Wirthschaft Wenn Sie diese Person gesehen hätten liebe Freundin so würden Sie wie ich erkannt haben daß von ihr keine christliche Milde zu hoffen war Zum Betteln aber konnte ich mich noch nicht entschließen ich schleppte mich daher aus dem Hause so gut ich konnte Ich mußte indessen entweder ein Stück Brot finden oder mich auf die Erde legen und vor Hunger umkommen Ich dachte von Neuem an mein Halstuch und kehrte nach dem kleinen Bäckerladen zurück von dem ich schon gesprochen habe Die Bäckerin war nicht allein dennoch trat ich ein und hat sie mir ein Brötchen für das seidene Tuch zu geben Sie blickte mich staunend an und erwiderte in einem argwöhnischen Tone Auf einen solchen Handel lassen wir uns nicht ein In der höchsten Verzweiflung erbot ich mich ihr das Tuch für ein halbes Brot zu überlassen Sie weigerte sich entschiedener als vorher Konnte sie wissen wie ich zu diesem Tuche gekommen war Vielleicht nahm sie meine Handschuhe an Nein gewiß nicht denn sie konnte sie nicht benutzen Ich fühle liebe Freundin daß alle diese Einzelnheiten Sie ermüden werden denn jetzt während ich sie Ihnen erzähle finde ich selbst noch einen Theil von dem Abscheu und der Demüthigung in meinem Herzen welche ich damals empfand Ich will daher Ihre Qual und auch die meinige abkürzen Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kam ich an einen kleinen Pachthof dessen Eigenthümer vor der Thür saß und ein Stück Brot mit Käse verzehrte Ich blieb vor ihm stehen und redete ihn mit den Worten an Wollen Sie nicht die Güte haben mir ein Stück von Ihrem Brote zu geben Ich kam mich vor Hunger kaum noch auf den Füßen erhalten So verwundert er auch über diese unerwartete Ansprache war zögerte er doch keinen Augenblick und schnitt mir ein großes Stück Brot ab das er mir auf der Spitze seines Messers darreichte Wenn ich daran denke so schmeichle ich mir noch heute mit dem Glauben daß er mich nicht für eine Bettlerin sondern für