entfloh Nachdem ich diese furchtbare Prüfung überstanden hatte wurde mir alles Uebrige leicht Mein Plan war im Voraus gefaßt und ich verfolgte ihn mit mechanischer Pünktlichkeit Ich holte in der Küche den Schlüssel zu einer kleinen Hinterthür und nahm ein Fläschchen mit Del und eine Feder mit um den Schlüssel und das Schloß einzuölen damit das Geräusch mich nicht verrathen konnte Dann zog ich meine Schuhe an aß ein wenig Brot und trank ein Glas Wasser indem ich bedachte daß ich vielleicht lange würde zu Fuß geben müssen und fürchtete meine so heftig erschütterten Kräfte könnten zur Ausführung meines Planes nicht ausreichen Dies Alles geschah ohne das leiseste Geräusch Ich öffnete die Hausthür und verschloß sie wieder Die Morgendämmerung begann den Hof ein wenig zu erhellen De Thorwege waren verschlossen aber ich wußte daß eine kleine Nebenthür in einem derselben nur von innen verriegelt war Durch diese Thür trat ich in 's Freie Eine Meile von Thornfield gelangte man auf Feldwegen an eine Straße welche nach einer Millcote entgegengesetzten Richtung führte Ich war noch nie auf derselben gegangen dagegen aber hatte ich mich mit der mir eigenen Neugier oft befragt wohin sie wohl führen könnte Dorthin richtete ich meine Schritte ohne mir die geringste Ueberlegung zu erlauben ohne einen Blick rückwärts oder vorwärts in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu werfen in de süße heitere Vergangenbeit und in die dunkle trostlose Zukunft Ich ging an den Rainen und Hecken entlang bis die Sonne emporstieg denn ich glaube wenigstens daß die Sonne an jenem Morgen aufging Eine bestimmte Erinnerung habe ich nur davon daß der Thau bald durch meine dünnen Schuhe drang und meine Füße kältete Alles Uebrige um mich ber existirte nicht für mich Der Verurtheilte welcher dem Tode entgegengeht sieht die Blumen am Wege nicht die ihm zulächeln Er denkt nur an den Henkerblock an das Beil an den letzten Sprung des abgeschlagenen Kopfes und an den dunklen Abgrund der ihm empfängt Ich sah nichts vor mir als eine ewige Trennung die öde Wüste die ich von nun an durchwandern sollte den tiefen Schmerz den ich diesem Manne als Vergeltung für seine aufopfernde Liebe bereitete Es hätte indessen nur meines Willens bedurft denn noch war es Zeit um ihm den Kummer der Verlassenheit zu ersparen um ihn von dem moralischen Untergange zu retten der fast unausbleiblichen Folge dieser Art von Verrath dessen scheinbare Undankbarkeit ihn zur Verzweiflung treiben konnte und mußte Gegen diese Befürchtung blieb ich so zu sagen wehrlos Es war der mit Widerhaken versehene Pfeil den ich vergebens aus meiner Wunde zu reißen versuchte es war der Gewissensbiß einer vielleicht egoistischen Tugend es war der entsetzliche Zweifel in dessen Folge man die Erfüllung der Pflicht fast als ein Verbrechen betrachtet es war das Opfer ohne die innere Zufriedenheit welche der Lohn derselben ist das Opfer das sich selbst haßt und verabscheut Daß ich diesen Eingebungen eines verirrten Gewissens kein Gehör gab dazu bedurfte es der Hilfe Gottes der sich meines festen Rillens auf dem rechten Wege