der reichen Erbin denen der Name Rochester ein glücklicher Fund für ihre Tochter zu sein schien boten Alles auf um den ihnen zugesendeten jungen Mann zu fesseln Meine Sinne mein Stolz und mein jugendlicher Ehrgeiz wurden zu gleicher Zeit angeregt Ich sah Bertha nur in Gesellschaften wo sie von Huldigungen umgeben war wo sie in dem doppelten Glanze der Schönheit und des Reichthums strahlte Durch tausend wohlberechnete Kunstgriffe bethört und von den schmeichelhaften Auszeichnungen geblendet mit denen die stolze Schönheit überhäuft wurde heirathete ich sie ohne sie zu kennen ohne zu wissen welches lasterhafte Blut welche verderbliche Keime in ihr lagen und ohne daß man mich von der Existenz meiner Schwiegermutter unterrichtete die sich seit mehreren Jahren in einem Irrenhause befand Als die Verbindung geschlossen war wurden meine Illusionen bald gestört Wenige Tage waren hinreichend damit ich zu meinem tiefen Schmerz die gemeinen Neigungen den beschränkten Geist und den gefährlichen Charakter des jungen Mädchens erkannte die ich zur Gefährtin meines Lebens erwählt hatte Ich fand in ihr sehr bald ein Gemisch von Einfalt angeborener Schlechtigkeit Leichtsinn und Heftigkeit Noch traurigere Erfahrungen zeigten mir die Zukunft in der drohendsten Gestalt und meine neue Familie als unwürdig meiner Achtung Ein weniger starker Charakter würde unter der Last eines solchen nicht wieder gut zu machenden Unglücks erlegen sein Ich kämpfte vier Jahre lang indem ich meinen tiefen Abscheu und Widerwillen zu verbergen und die zügellosen entehrenden Neigungen meiner unwürdigen Gattin zu verändern oder wenigstens zu mildern versuchte Aber ungeachtet aller meiner Anstrengungen entwickelten sich die Laster dieser Frau mit einer entsetzlichen Geschwindigkeit Sie setzte alle Rücksichten aus den Augen und ihr öffentlich beschimpfter Gatte mußte daran denken sich von ihren drückenden Fesseln zu befreien Aber gerade zu dieser Zeit erklärte sich der Wahnsinn der Mistreß Rochester vollständig die Ehescheidung wurde unmöglich und ich Unglücklicher sah mich einem Schicksal Preis gegeben das mir die Habsucht meiner Eltern die Falschheit der Familie Mason und meine eigene Unbesonnenheit bereitet hatten Ich hätte die Wahnsinnige ihrem Schicksal überlassen und von Jamaika fliehen können aber mein Stolz empörte sich gegen eine so feige Durchhauung des Knotens Unschlüssig was ich beginnen sollte überließ ich mich ganz meinem Kummer welcher von Verzweiflung nur wenig verschieden war Meinen Vater hatte ich schon frühe verloren und aus einem um jene Zeit anlangenden schwarz gesiegelten Brief erhielt ich auch noch die Nachricht daß mein Bruder mit Tode abgegangen sei So fielen denn alle väterlichen Besitzungen wieder mir zu und dennoch bei allen Reichthümern deren Besitzer ich nun wurde wer war unglücklicher als ich Auf Jamaika war mein Unglück allbekannt Man heuchelte mir Mitleiden über den Schiffbruch meines häuslichen Glückes und unter dieser heuchlerischen Maske schimmerte doch nur Spott und Hohn hervor Mein dortiger Aufenthalt wurde mir unerträglich und da ich wegen der Regelung meiner brüderlichen Erbschaft ohnehin nach England zurück mußte so beschloß ich die Wahnsinnige die schon damals kaum mehr menschenähnlich war mit dorthin zu nehmen Ihr Wahnsinn war nach dem einstimmigen Ausspruch verschiedener Aerzte unheilbar und so hätte es mir nichts