deren rasche Aufeinanderfolge mich fast betäubt hatte Jetzt da ich mich sammeln und nie von Allem was ich gesehen und erfahren Rechenschaft geben konnte fühlte ich ein unwiderstehliches Bedürfniß über meine Lage nachzudenken Einige ohne Geräusch und Aufsehen gewechselte Worte einige auf die natürlichste Weise gegebene Erklärungen ein Geständniß Rochesters ein lebender Beweis zu Gunsten seiner Rechtfertigung mehr hatte es nicht bedurft um in meinem Geschick eine jener Umwälzungen hervorzubringen welche im Bereiche der Moral das sind was in der physischen Welt die plötzliche Vernichtung eines emporsteigenden Gestirnes sein würde Nichts hatte sich in meiner gewöhnlichen Lebensweise verändert Mach dem äußeren Anscheine zu urtheilen war ich noch die nämliche Person bewohnte das nämliche Zimmer und widmete mich den nämlichen Beschäftigungen Und doch wo war die frühere Jane Eyre wo war das was ihr ganzes Leben ausmachte die fieberhafte Erwartung die glühende Hoffnung welche seit einem Monate die ganze Kraft ihrer Jugend absorbirten Die süß erregte Braut das glückliche Idol die liebende Jungfrau war verschwunden und es blieb nichts mehr als das zur ewigen Einsamkeit und zu dem kalten Egoismus der Ehelosigkeit verurtheilte Mädchen Ihr Leben war entfärbt ihre Zukunft jeder Hoffnung beraubt Man denke sich einen schönen Sommertag an welchem eine eisige Winterkälte eintritt welche die schon reifen Früchte und die blühenden Rosen mit einer Eisrinde umgiebt und ein Leichentuch von Schnee über die blumenreichen Wiesen und die in üppiger Fülle prangenden Felder breitet und man wird eine ungefähre Idee von dem Zustande meines Innern haben Die theuersten Wünsche meines Herzens gestern noch lebhaft und blühend waren heute für immer zerstörte und todte Gedanken Meine Liebe diese Liebe welche Mr Rochester hervorgerufen hatte sie zitterte jetzt in der Tiefe meines Herzens wie ein krankes Kind in einer Wiege die nicht gegen die Kälte geschützt ist Was Rochester selbst betraf so fühlte ich ohne ihn zu beschuldigen und ohne Haß oder Zorn gegen ihn zu empfinden daß er allen Anspruch auf mein Vertrauen verloren halte und daß ich mich von ihm trennen nutzte Er hatte mich nicht eigentlich hintergangen aber er liebte mich nicht so wie ich geglaubt hatte Ich war fest überzeugt daß er mich jetzt wo er in mir nur den Gegenstand einer strafbaren und gestörten Leidenschaft sah von Thornfield entfernen und daß ich in seinen Augen nur noch ein hassenswerthes Geschöpf sein würde Von dem Wechsel der Ereignisse dieses Tages niedergeschlagen und ermattet schlief ich endlich auf meinem Stuhle ein Am Nachmittag als die Strahlen der untergehenden Sonne meine kummervolle Stirn beleuchteten öffnete ich die Augen wieder und stand auf um meinen Platz zu verändern Diese Bewegung war hinreichend um mich zum Bewußtsein meiner wirklichen Lage und der Pflichten welche sie mir auferlegte zu bringen Die Nothwendigkeit Thornfield zu verlassen erschien mir in ihrer ganzen Gräßlichkeit und trotz der Ohnmacht meines Willens gegen den die spitzfindigen Rathschläge einer Leidenschaft ankämpften welche ihre Illusionen überlebte fühlte ich die Unerläßlichkeit einer gebieterischen Pflicht Eine entsetzliche Angst schnürte mir das Herz zusammen als ich daran dachte daß ich schon seit mehreren