wußte wovon die Rede war Das Vermächtniß der Mistreß Reed das ich erwarten durfte war ein merkwürdiger Beweis von der Abneigung welche sie mir stets bewiesen hatte In einem sorgfältig versiegelten Couvert fand ich folgenden Brief Madame Ich ersuche Sie hierdurch mir gefälligst die Adresse meiner Nichte Jane Eyre mitzutheilen und mir zu sagen in welchen Verhältnissen sie lebt da ich beabsichtige ihr in Kurzem zu schreiben und sie zu veranlassen zu mir nach Madeira zu kommen Die Vorsehung hat mir vergönnt ein nicht unbedeutendes Vermögen zu erwerben Ich bin unverheirathet und habe keine Kinder Ich will sie daher für den Rest meines Lebens adoptiren und ihr nach meinem Tode mein Vermögen hinterlassen Ich bin Madame a e John Eyre Kaufmann in Madeira Unter dem Briefe standen folgende Worte von der Hand der Mistreß Reed Ich habe geantwortet daß Jane Eyre in der Schule zu Lowood am Typus gestorben sei Und dieser Brief war drei Jahre alt Ich bewunderte im Stillen diese raffinirte Bosheit welche meine Tante veranlaßt hatte nachdem sie mir lediglich um des Vergnügens willen mir zu schaden ein mögliches Glück zerstört mir nach ihrem Tode zu sagen daß sie mich bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens gehaßt hatte So weit das Unglück die Entschuldigung für ein böses Gefühl sein kann war die gute Frau wohl zu entschuldigen denn ich erfuhr später was ich schon aus dem Briefe meiner Cousinen ahnete daß sie von dem unbezähmbaren Egoismus der maßlosen Verschwendungssucht und endlich dem frühen Tode ihres nur zu sehr geliebten Sohnes John Reed des Peinigers meiner Jugend viel zu leiden gehabt hatte Vielleicht hatte sie wie mir erst jetzt beifällt mein Glück das sie in ihrer Hand hielt den Manen dieses heißgeliebten Sohnes aufgeopfert zur Erinnerung an den fürchterlichen Kampf den ich so tapfer gegen ihn bestanden hatte und den ich Ihnen ausführlich erzählt habe Wie dem auch sein möge meine Gedanken waren damals zu sehr mit andern Dingen beschäftigt um mir wegen eines verlorenen Glückes viel Sorge zu machen Die Gäste von Thornfield-Hall standen auf dem Punkte sich zu entfernen und es schien mir nicht anders möglich als daß vor ihrer Abreise die Verbindung Mr Rochesters mit Blanca Ingram entschieden werden müßte Ich sah daher mit schmerzlicher Neugier den ersten Anzeichen einer fest beschlossenen Verbindung entgegen Ich bemerkte jedoch während der letzten vierzehn Tage des Aufenthalts unserer Gäste durchaus nichts davon Kein Wort keine sichtbare Anordnung ließ auf etwas Derartiges schließen Mistreß Fairfax welche ich zuweilen nicht ohne eine innere Bangigkeit über die Sache auszuforschen suchte wußte entweder nichts oder wollte mir nichts sagen Eines Tages erlaubte sie sich indeß Mr Rochester die bündige Frage vorzulegen ob man bald eine Schloßherrin auf Thornfield-Hall sehen werde Allein er antwortete ihr wie sie mir sagte nur mit einem nichtssagenden Scherze und einem sardonischen Blicke mit dem man nicht wußte was man machen sollte wie sich Mistreß Fairfax sehr richtig ausdrückte Als Mistreß Ingram und ihre Töchter abgereis't waren wunderte ich mich ein wenig daß ich Mr Rochester nicht wie