bestand hauptsächlich meine Verblendung hatte ich sie endlich nach einer strengen Prüfung meines Gebieters gelten lassen und sie fast alle gerechtfertigt Im Anfange unsrer Bekanntschaft studirte ich die starke und schwache Seite seines Characters ich beobachtete seine Launen und verglich sie mit seinen guten Eigenschaften um mir ein gerechtes und vernünftiges Urtheil über sein moralisches Ganze zu verschaffen Aber seit einiger Zeit entdeckte meine unbegrenzte Nachsicht nur noch das an ihm was mir gefiel Der Sarkasmus der mich anfangs empört die Härte die mich anfangs gereitzt und beleidigt hatte erschienen mir nur noch wie pikante Gewürze an einem seltenen Gericht welches durch den Mangel derselben an Wohlgeschmack verloren haben würde Der unbestimmte Schatten das geheimnißvolle Wesen das über diesen Geist gebreitet war den irgend eine Befürchtung ängstigte ein kühner Plan beschäftigte eine entfernte Sorge quälte dieses Räthsel das jedem aufmerksamen Beobachter in die Augen fallen mußte dessen schwierige Lösung aber Rochester stets gewandt zu umgehen wußte dieses Räthsel das mich anfangs mit Schrecken erfüllte begann mich zu fesseln Das Geheimniß schien mit einer Gefahr für Rochester verknüpft zu sein und fürchtete ich auch nicht das Wesen der Gefahr zu erkennen so beunruhigte mich um so mehr die Natur des Geheimnisses Eines Nachmittags als Mr Rochester sich am Morgen entfernt hatte ohne Jemandem etwas davon zu sagen waren die Gäste von Thornfield-Hall in einer ziemlich verdrüßlichen Stimmung versammelt man wußte nicht wozu man sich entschließen welchen Zeitvertreib man vornehmen welche Partie man improvisiren sollte Plötzlich hörte man auf dem feuchten Sande der Zugangsallee das Geräusch eines Wagens und die Huftritte von Pferden In einem Augenblicke war Alles an den Fenstern ein Reisewagen hielt vor dem Hauptperron Der Kutscher schellte an der Thür und ein Gentleman in Reisekostüm stieg aus sobald geöffnet worden war Wir hörten ihn im Vestibül mit den Leuten des Hauses sprechen und bald darauf trat er in den Salon wo Mistreß Ingram als die älteste der anwesenden Dannen natürlich die Honneurs machte Ich komme sehr zu ungelegener Zeit wie es scheint sagte er mit einer Verbeugung zu ihr da mein Freund Mr Rochester nicht zu Hause ist doch nach der langen Reise welche ich zurückgelegt habe um ihn zu besuchen fürchte ich nicht einem so alten und intimen Bekannten gegenüber indiscret zu erscheinen wenn ich Sie um Erlaubniß bitte ihn hier erwarten zu dürfen Die außerordentliche Höflichkeit dieses Fremden sein etwas ausländischer Accent seine ziemlich regelmäßigen aber nichtssagenden und ausdruckslosen Gesichtszüge erregten meine Aufmerksamkeit nur in geringem Maße Er konnte ungefähr das nämliche Alter haben wie mein Gebieter das heißt etwa 4l Jahre aber welch ein Unterschied zwischen diesen beiden Physiognomien Die eine war die eines gewöhnlichen schönen Mannes ohne Kraft ohne Feuer ohne Geist während die andere von Kühnheit Leidenschaftlichkeit und Energie strahlte Der Fremde fand Gelegenheit uns seinen Namen Henry Mason zu nennen und uns zu sagen daß er aus Westindien komme was einigermaßen den Ueberfluß warmer Kleidungsstücke erklärte in die er sich an einem schönen Maitage eingehüllt hatte Aus seinen Reden erfuhr ich daß Rochester