mich ergriffen fühlte der Sehnsucht nach meiner abwesenden Freundin zugeschrieben hatte machte ich eines Tages ohne mir eigentlich selbst Rechenschaft darüber geben zu können die Entdeckung daß ich den zu engen Horizont unsres Asyls nicht länger mehr ertragen konnte daß ich mich nach einer größern Welt außerhalb dieses klosterähnlichen Gefängnisses sehnte Ich dachte fort während an diese Welt an ihre gefahrvollen Prüfungen an ihr von Befürchtungen und Hoffnungen von bald günstigen bald widerwärtigen Wechselfällen erfülltes Treiben und mein Muth steigerte sich bei dem Gedenken mich hinein zu stürzen sollte ich auch darin umkommen Aber dieser Muth schwand bald wieder wenn ich überdachte daß ich möglicherweise wieder solch einem Schicksal entgegen gehen könne wie ich es im Hause meiner Tante erfahren hatte Diese Befürchtung war es welche meinen Aufenthalt in Lowood verlängerte Als ich einmal des Nachts erwachte ergriff mich plötzlich ein solcher Ueberdruß vor der Schule ihren Regeln und ihren trocknen Pflichten ich fühlte einen solchen Drang nach Freiheit Veränderung und neuen Eindrücken daß ich nicht einmal den Versuch machen konnte dieses unwiderstehliche Verlangen zu bekämpfen Es herrschte eine vollkommene Stile im Schlafsaale nur eine plumpe Walliserin die meine Bettnachbarin war erfüllte die Luft mit lautem Schnarchen Sie war für mich die Personification der prosaischen Dienstbarkeit zu der ich wider meinen Willen verurtheilt war und der ich mich durchaus entziehen wollte Ale meine Gedanken concentrirten sich jetzt in der einen Frage wie wird es mir gelingen Lowood zu verlassen Tausend Pläne von denen der eine immer abenteuerlicher und chimärischer war als der andere durchkreuzten sich in meinem erhitzten Kopfe der sie als unausführbar verwarf nachdem er sich einen Augenblick mit ihnen beschäfstigt hatte Plötzlich tauchte der Gedanke in mir auf Die Zeitung der Grafschaft nimmt alle Anerbietungen von Personen auf die eine Stelle suchen Warum sollte ich ihn nicht die Sorge übertragen Jedermann zu sagen daß ich bereit bin eine unabhängigere und weniger einförmige Stellung anzunehmen als de welche mir das Schicksal angewiesen hat Mein Plan war auf der Stelle gefaßt und seine Ausführung war die leichteste von der Welt Ich bedurfte nur eines Vorwandes und deren gab es tausende um die Erlaubniß zu erhalten nach dem Postamte von Lowton zu gehen Dort gab ich meinen Brief an die Redaction des Journals ab welcher das Gesuch einer Gouvernante enthielt die sich erbot ein oder mehre junge Mädchen unter vierzehn Jahren zu erziehen indem sie versprach ihnen Französisch Zeichnen und Musik zu lehren Anträge erbat ich mir unter der Adresse Miß J E poste restante Lowton Dann nahm ich mir vor alle acht Tage nachzusehen ob Jemand geneigt war auf mich zu reflektiren Mein Wunsch ging schneller in Erfüllung als ich gehofft hatte Schon bei meiner ersten Nachfrage fand ich einen Brief unter meiner Chiffre vor der folgende Zeilen enthielt Wenn J E welche ich am vergangenen Donnerstage in dem shire Herald als Gouvernante offerirt hat wirklich die angeführten Talente besitzt und wenn sie genügende Empfehlungen ihres Charakters und ihrer frühern Wirksamkeit beibringen kann so wird ihr hiermit eine Stellung vorgeschlagen