Jane Mach einem kurzen halb laut gesprochenen Gebete zu Gott streckte Rochester die Hand aus und bedeutete mir so daß er geführt sein wollte Ich nahm diese theure Hand und drückte meine Lippen darauf ehe ich sie um meinen Macken und auf meine Schulter legte So diente ich ihm zugleich als Stütze und als Führerin Schweigend kehrten wir nach Ferndean-Manor zurück Zehnte Abtheilung Der Waise Vermählung Am nächsten Dienstag wurde ich Rochester 's Gattin ich brauche Ihnen nicht zu sagen werthe Freundin welche Gefühle an diesem Tage mich bestürmten und wie lebhaft die Erinnerung an den Tag bei mir wurde an welchem vor einem Jahr meine Hochzeit angesetzt war Unsre Trauung fand ohne andere Zeugen als den Priester und seinen gehülfen statt Als wir aus der Kirche zurückkamen ging ich in die Küche wo John und Mary mit den Anstalten zum Mittagsmahle beschäftigt waren Meine Lieben sagte ich zu ihnen Mr Rochester und ich haben uns so eben ehelich verbunden Hier ist unser Hochzeitsgeschenk Mit diesen Worten legte ich eine Fünfpfundnote auf den Tisch Sie warfen kaum einen Blick darauf Ist es möglich Miß erwiderte Mary nun das freut mich herzlich Ich sah Sie wohl mit dem Herrn degegen aber so etwas ahnete ich nicht Und ich sagte John mit einem Lächeln und einer ehrerbietigen Verbeugung ich habe es mir gedacht daß Mr Edward dies im Sinne hatte und ich glaube er hat wohl daran gethan Ich schrieb nun sogleich nach Marsh-End um das Geschehene zu berichten und es unter dem wahren Gesichtspunkte darzustellen Diana und Mary antworteten mir umgehend und ihre Briefe drückten ihre beifällige Zustimmung aus Wie Saint-John die Nachricht von meiner Verbindung aufnahm weiß ich nicht denn er beantwortete meinen Brief nicht Erst nach sechs Monaten schrieb er mir aber ohne Rochesters oder meines neuen Verhältnisses mit einer Sylbe zu erwähnen Das Schreiben war ernst gehalten doch Alles erwogen sprach sich eine ziemlich lebhafte Zuneigung darin aus Wir haben seitdem regelmäßig obwohl nicht häufig mit einander correspondirt Eine meiner ersten Sorgen nach meiner Vermählung war daß ich Adele in der Pensionsanstalt besuchte wohin Rochester sie gebracht hatte Die lebhafte Freude welche sie bei meinem Wiedersehen an den Tag legte gewann ihr mein Herz das ihr ohnehin schon zugethan war Ich fand sie bleich und eingefallen Eine sagte mir sie sei nicht glücklich und ich überzeugte mich in der That daß die Disciplin in dieser Schule zu streng und die Studien für ein Kind ihres Alters zu schwer waren Ich nahm sie daher mit mir um meine frühere Beschäftigung als Gouvernante mit ihr fortzusetzen Aber dies war nur eine schöne Illusion Meine Zeit und meine Pflege gehörten fortan einem andren Wesen das mich ganz in Anspruch nahm und dem ich mich mit Freuden ungetheilt widmete Ich mußte mich daher nach einer andern Anstalt umsehen wo die Erziehung den Fähigkeiten unsrer kleinen Französin welche großer Nachsicht und Schonung bedurfte angemessener war Es gelang mir eine solche zu finden und sie war nicht zu weit von uns entfernt daß ich