sie „schließt sie ein und lasst sie dort “ Ich hätte nie geglaubt daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich und nur mit Gewalt brachte man mich aus dem Zimmer in welchem der eben erzählte Auftritt stattgefunden hatte Selbst in der rothen Kammer als ich auf einen Stuhl gesetzt worden war wollte ich wieder aufspringen und den Kampf mit meinem Vetter erneuern Die beiden Dienerinnen wußten nicht mehr welchen Heiligen sie anrufen und wie sie die wüthende Katze bändigen sollten die ihnen soviel zu schaffen machte Endlich hatte die Eine von ihnen einen glücklichen Einfall es war Bessie das einzige Wesen das mir in diesem fluchwürdigen Hause zuweilen Beweise von einer Art Freundschaft gegeben hatte „Wenn Sie sich noch länger sträuben Miß “ sagte sie zu mir „so müssen wir Sie binden Miß Abbot “ setzte sie hinzu „leihen Sie mir doch ihre Strumpfbänder denn die meinigen würde sie bald zerreißen.“ Miß Abbot wendete sich um und löste die mir bestimmten Fesseln von den kräftigen Pfeilern auf denen ihr gewaltiger Körper ruhte Ich sah einen neuen Schimpf voraus woran der Gedanke mich empörte und mir eine gewisse gezwungene Ruhe gab „Bemühen Sie sich nicht Miß Abbot “ rief ich aus „ich verspreche Ihnen mich nicht von der Stelle zu rühren.“ Zur Bekräftigung meines Versprechens klammerte ich mich mit beiden Händen an dem Stuhle fest auf den ich wider meinen Willen gesetzt worden war Bessie sah daß ich im Ernst sprach und es war daher nicht mehr die Rede davon mich zu binden Die beiden Mädchen hielten es nun für angemessen mir eine lange Predigt zu halten über mein thörichtes Benehmen und über die Nothwendigkeit daß ich mich da ich arm und schutzlos war dem Willen derjenigen unterwerfen müsse die mir Brot gaben In trotzigem Stillschweigen und ohne meine fast herrische Stellung zu verändern hörte ich Alles mit an Sie gingen endlich und verschlossen die Thür Die Augenblicke welche auf ihre Entfernung folgten habe ich nicht vergessen Das rothe Zimmer war ein großes selten bewohntes Ge mach denn Besuche waren in Gateshead-Hall eben nicht häufig In der Mitte dieses öden und stillen Zimmers das etwas Majestätisches hatte wie das Tabernakel eines jüdischen Tempels stand auf massiven dunkelbraunen Mahagonyfüßen ein großes Bett mit Vorhängen von rothem Damast Gardinen von dem nämlichen Stoffe und der nämlichen Farbe hingen vor den zwei hohen Fenstern deren Läden nie geschlossen wurden Der Fußboden war mit einem rothen Teppich bedeckt über den vor dem Bett stehenden Tisch war ein ähnliches Tuch gebreitet und die Wände mit einem lichten Stoffe bekleidet auf dem sich einzelne rothe Streifen befanden Der Kleiderschrank der Toilettenschrank und die Stühle von altem dunklen Mahagony glänzten in der Dunkelheit von der besonders noch zwei Gegenstände grell abstachen die Matratzen und Kissen des Bettes mit blendendweißen Ueberzügen und dann ein Krankenlehnstuhl mit einem gleichen Ueberzuge und einem Auftritte der mir in diesem feierlichen Augenblicke wie ein „bleicher Thron“