diesem Zwecke weder Bürsten noch Seife noch das Bügeleisen geschont Ueberdies fand ich in meinem Zimmer alle zur Toilette unentbehrlichen Gegen-stände und es gelang mir allerdings nicht ohne Mühe und indem ich alle fünf Minuten einmal ausruhte mich vollständig anzukleiden Jetzt erschien ich in einer ganz anderen Gestalt und ich bemerkte dies namentlich an der ehrerbietigen Haltung welche die alte Hannah vielleicht wider ihren Willen annahm als ich unvermutet in die Küche trat „O wie haben Sie sich verändert Demoiselle “ sagte Hannah „heute sehen Sie ganz anders aus als an jenem Abend wie Sie zuerst um ein Machtquartier ansprachen Hätten Sie damals so ausgesehen wie heute dann würde ich kein Bedenken getragen haben Ihnen zu öffnen aber nehmen Sie mir es nicht übel an jenem Abend sahen Sie wie eine Landstreicherin eine Bettlerin wenn nicht als etwas noch Schlimmeres aus.“ „Ich bin ebenso wenig eine Bettlerin als Sie und Ihre Gebieterin “ entgegnete ich ihr in nachdrücklichem Tone „Sie haben aber doch weder eine Wohnung noch Geld.“ „Man braucht kein Haus und kein Geld zu haben ohne deshalb eine Bettlerin zu sein.“ Ich sagte ihr dann offen meine Meinung über die Härte mit der sie mir bei einem entsetzlichen Wetter mitten in der Nacht das verweigert hatte was man selbst einem verirrten Hunde gewährt Sie sah endlich ihr Unrecht ein entschuldigte sich nach besten Kräften und bat mich um Verzeihung die ich ihr auch gern bewilligte Mittlerweile trat ihre junge Herrschaft ein und sagte mir sie werde nie dulden daß ich mich in der Küche aufhielte Sie führten mich in das Wohnzimmer wo mich Saint-John als Oberhaupt der Famllie von neuem fragte wer ich sei Diesmal sprach ich mich ohne Rückhalt aus Ich gestand ihm dass Jane Elleot nicht mein wirklicher Name sei daß mich aber triftige Gründe auch hinderten ihm das Haus zu nennen in welchem ich zuletzt als Gouvernante gewesen war Ich gab ihm jedoch einen kurzen Abriß meiner Jugendgeschichte und setzte hinzu daß keineswegs irgend ein Fehler oder Vergehen dessen ich mich schämen müßte mich in die Notwendigkeit versetzt habe fremde Unterstützung in Anspruch zu nehmen Wie es scheint sprach ich beredt und überzeugend denn Mr Saint-John der mich mit der ganzen Strenge eines Richters und mit der argwöhnischen Aufmerksamkeit eines Geistlichen anhörte nahm mich zuletzt für das wofür ich mich ausgab und versprach mir auf meine wiederholten Bitten mir zur Auffindung eines Erwerbszweiges behilflich zu sein „Vor der Hand “ sagte die liebenswürdige Diana Rivers „dürfen Sie uns jedoch nicht verlassen Meine Schwester und ich sind beide Gouvernanten wie Sie es noch vor wenigen Tagen waren und wir bleiben nur einige Wochen hier infolge des Todes unseres Vaters Nach Ablauf dieser Zeit muß unser Bruder Saint-John nach Morton zurückkehren wohin ihn seine Pflichten als Pfarrer rufen Bis dahin wird er sich wie Sie gehört haben nach Kräften bemühen Ihnen eine Stelle zu verschaffen Vergessen Sie also für kurze Zeit alle Ihre Sorgen und gestatten Sie uns zu glauben daß unsere Wohltaten wie Sie sie nennen