Abscheu und Widerwillen zu verbergen und die zügellosen entehrenden Neigungen meiner unwürdigen Gattin zu verändern oder wenigstens zu mildern versuchte Aber ungeachtet aller meiner Anstrengungen entwickelten sich die Laster dieser Frau mit einer entsetzlichen Geschwindigkeit Sie setzte alle Rücksichten aus den Augen und ihr öffentlich beschimpfter Gatte mußte daran denken sich von ihren drückenden Fesseln zu befreien Aber gerade zu dieser Zeit erklärte sich der Wahnsinn der Mistreß Rochester vollständig die Ehescheidung wurde unmöglich und ich Unglücklicher sah mich einem Schicksal preisgegeben das mir die Habsucht meiner Eltern die Falschheit der Familie Mason und meine eigene Unbesonnenheit bereitet hatten Ich hätte die Wahnsinnige ihrem Schicksal überlassen und von Jamaika fliehen können aber mein Stolz empörte sich gegen eine so feige Durchhauung des Knotens Unschlüssig was ich beginnen sollte überließ ich mich ganz meinem Kummer welcher von Verzweiflung nur wenig verschieden war Meinen Vater hatte ich schon frühe verloren und aus einem um jene Zeit anlangenden schwarz gesiegelten Brief erhielt ich auch noch die Nachricht daß mein Bruder mit dem Tode abgegangen sei So fielen denn alle väterlichen Besitzungen mir zu und dennoch bei allen Reichthümern deren Besitzer ich nun wurde wer war unglücklicher als ich “ Rochester erzählte mir nun weiter wie er nach Regelung seiner Erbangelegenheiten den Entschluß faßte durch weite Reisen den Kummer zu zerstreuen der seine Gesundheit untergrub Als er sich abwechselnd auf alle meine Gefühle von Mitleid Liebe und Selbstverleugnung berufen als er alle Erinnerungen erweckt hatte die mein schwaches Herz rühren konnten dann erst wagte er es das förmliche Versprechen ihn nie zu verlassen von mir zu verlangen Da ich aber noch immer schwieg rief er aus „Jane ich will Dir die Antwort sagen die ich von Dir erwarte sie lautet Herr Rochester ich bin die Ihrige “ „Herr Rochester “ erwiderte ich „ich werde nie die Ihrige “ Es erfolgte eine lange Pause „Jane “ hob er noch einmal an und seine Stimme war so sanft daß sie mir das Herz brach und mich zugleich mit Angst erfüllte denn diese ruhige Stimme kam mir vor wie der Seufzer eines Löwen der sich ungern wieder erhebt um zu kämpfen Jane es kann Dein Wille nicht sein daß wir Beide in dieser Welt zwei entgegengesetzte Wege einschlagen.“ Allerdings will ich dies.“ „Jane versetzte er indem er sich zu mir herabbeugte und mich mit seinen Armen umschlang „willst Du es auch jetzt noch “ „Ja.“ „Und jetzt “ Er bedeckte meine Stirn und meine Wangen mit Küssen „Ich will es “ rief ich noch einmal indem ich mich mit unwiderstehlicher Kraft seiner Umarmung entwand Seine Gesichtszüge nahmen plötzlich einen verstörten Ausdruck an den ich noch nie an ihm bemerkt hatte Er richtete sich langsam empor und ich gestehe Ihnen jetzt wurde mir bange Ohne die Lehne des Fauteuils die mir als Stütze diente würde ich gewiß zusammengesunken sein denn ich fühlte daß meine Kniee unter mir wankten Es gelang ihm indessen sich noch zu beherrschen „Einen Augenblick Jane Stelle Dir das Leben vor welches ich führen werde