Mary Ingram und namentlich von Blanca trennt sich Mr Rochester sehr ungern.“ Blanca Ingram wohnte 10 Meilen von Thornfield-Hall Sie war ein schönes Mädchen welcher die Natur alle Gaben verliehen hatte um einen Mann zu fesseln und die von den 40 Jahren des Mr Rochester wenig erschreckt wurde da ihr Gelegenheit gegeben war mit Hülfe seines Vermögens als Staatsdame zu leben Mistreß Fairfax schilderte mir mit der größten Ausführlichkeit Blanca 's Reize ihren königlichen Wuchs ihre schneeweißen Schultern ihre großen schwarzen Augen ihre wohlklingende Stimme ohne zu ahnen welchen Schmerz sie mir dadurch bereitete Sie erzählte mir wie Mistreß Ingram mit ihren Töchtern vor einigen Jahren nach Thornfield-Hall gekommen war welche schönen Duette Mr Rochester und Blanca gesungen hatten die beide ausgezeichnet musikalisch waren und für einander geschaffen zu sein schienen Sie hörte den ganzen Abend nicht auf über diesen Gegenstand zu sprechen Ach welche Gewissensbisse fühlte ich jetzt Wie verächtlich erschienen mir in diesem Augenblicke die thörichten Einflüsterungen meiner überspannten Hoffnungen Welch ein strenges Verdammungsurtheil sprach meine Vernunft über sie War es denn möglich dass ich ein kränkliches häßliches Mädchen ohne Herkunft und ohne Reichthum deren mangelnde Reize durch nichts Andres ersetzt wurden eine arme Gouvernante an die Eroberung dieses Mannes hatte denken können an den mein erbärmliches Loos mich durch käufliche Bande fesselte Dies waren meine Gedanken und je heftiger sie auf mich eindrangen um so weniger Nachsicht fühlte ich für meine thörichten Illusionen und um so fester nahm ich mir vor nicht wieder darauf zurückzukommen und wo möglich Thornfield-Hall zu verlassen nachdem ich ein anderes Unterkommen gefunden hätte Mr Rochester blieb 14 Tage abwesend Plötzlich erhielt Mistreß Fairfax von Mr Rochester den Befehl Alles zum Empfang von einigen zwanzig Gästen die er uns zuführen wollte in Bereitschaft bringen zu lassen Ich ahnete daß von der glänzenden Gesellschaft der Mistreß Eshton die Rede war und daß Blanca Ingram dabei sein würde Jetzt hätte ich Thornfield um keinen Preis der Welt verlassen Nachdem drei Tage darauf verwendet worden waren das ganze Haus von oben bis unten zu waschen zu fegen und zu putzen prangte Thornfield-Hall mit den Seidenstoffen seiner Möbeln den reichsten Farben seiner Tapeten den glänzenden Messingstäben seiner Kamine den Blumenbeeten seines Gartens kurz mit dem comfortablen Luxus seiner ganzen Einrichtung und war bereit die neuen Gäste aufzunehmen Sechstes Kapitel Blanca Ingram Hinter einem Vorhange verborgen sah ich sie ankommen es waren vier Personen zu Pferde denen zwei offene Wagen folgten In diesen sah man nichts als flatternde Schleier und wallende Federn Aber dahin waren meine Augen nicht gerichtet sondern sie suchten zuerst Mr Rochester auf seinem Rappen der von seinem munteren Pilot begleitet an der Spitze des Zuges ritt Neben ihm galoppirte keck eine junge Dame deren scharlachrothes Reitkleid fast den Erdboden streifte Ein im Winde spielender langer grüner Schleier umwehte ihr stolzes Haupt dessen schwarzes Haar in üppigen Locken auf ihre Schultern herabfiel „Dies ist Miß Ingram “ sagte Mistreß Fairfax Aber mein eifersüchtiges Herz hatte mir meine Nebenbuhlerin schon gezeigt Um das stürmische Schlagen dieses