sogleich zu Bet Gute Nacht meine Damen.“ So endigte unser erster Abend Es vergingen mehrere Tage ohne daß Mr Rochester uns ersuchen ließ den Abend in seiner Gesellschaft zuzubringen Wir begegneten uns zuweilen in einem Gange und dann sagte mir ein ziemlich kalter obgleich höflicher Gruß daß er mich erkannt hatte Eines Abends jedoch als er mehrere Gutsbesitzer aus der Umgegend zu Tisch gehabt und seine Gäste sich entfernt hatten um in irgend einen politischen Verein zu gehen äußerte Mr Rochester den das üble Wetter abhielt sie zu begleiten den Wunsch seine Mündel bei sich zu sehen Ich kleidete die schon sehr kokette Adele auf 's Beste an und sorgte dafür daß auch mein fast zu einfacher Anzug fast tadellos war Dann gingen wir zusammen hinunter in den Speisesaal der noch vollständig erleuchtet war und den der Hausherr für diesen Abend als Salon benutzte Die Schachtel mit den Geschenken welche Adelens Phantasie so sehr beschäftigte war endlich nach einer Verzögerung von mehreren Tagen angekommen Ihr Vormund gab ihr dieselbe nicht ohne mit einigem Verdruß zu bemerken mit welchem Eifer sie über das verschiedene Spielzeug von Elfenbein Porzellan und Wachs herfiel welches die Schachtel füllte Adele betrachtete bewunderte befühlte und versuchte Alles wie ein wahrhaft verzogenes Kind und bei jeder neuen Entdeckung machte sie ihren Gefühlen durch laute Ausrufungen Luft Ihr Vormund bekam dies bald zum Ueberdruß er ließ daher Mistreß Fairfax rufen und bat sie den geschwätzigen Herzensergießungen der kleinen Pariserin ein gefälliges Ohr zu leihen „Ich habe meine Pflichten als Wirth erfüllt “ sagte er dann zu mir „und ich denke mir wohl daß ich jetzt für mein eigenes Vergnügen Sorge tragen kann nachdem das meiner Gäste so ziemlich gesichert ist Miß Eyre setzte er hinzu „rücken Sie doch Ihren Stuhl ein wenig vor Sie befinden sich etwas zu weit rückwärts von mir und ich kann Sie nicht sehen ohne die vortreffliche Lage zu verändern die ich mir in diesem höchst bequemen Lehnstuhle gegeben habe Sie werden nicht wollen daß ich mir diesen Zwang auflege.“ Hätte ich nur meine Neigung berücksichtigt so wäre ich gern im Schatten geblieben um seinen durchbohrenden Blicken nicht zu begegnen Aber sein gebieterisches Wesen gestattete dem freien Willen keinen großen Spielraum Ich nahm daher den mir angewiesenen Platz ein und konnte nicht umhin Mr Rochester dann und wann anzublicken wie auch seine Augen sich von Zeit zu Zeit auf mich richteten Der Ausdruck seines Gesichts schien ein ganz anderer zu sein als ich ihn bisher gekannt hatte er war bei Weitem nicht mehr streng Ein freundliches Lächeln belebte hin und wieder seine Züge und milderte den Ernst derselben auch sein Blick hatte einen gewissen Glanz zu welchem die Toaste des Mittagsessen sehr wahrscheinlich das Ihrige beigetragen hatten Kurz er zeigte sich durchaus zu seinem Vortheile in dem mit rothen Damast überzogenen Lehnstuhle dessen elastischer Rücken einen Theil seines Kopfes verbarg und der Schein des Kaminfeuers spiegelte sich in seinen großen schwarzen Augen welche viel von ihrer gewöhnlichen Strenge verloren hatten Nach ohngefähr zwei Minuten