mir nicht getraut haben aber ich weiß selbst nicht warum es war mir als müßte ich diesen Befehl ohne Widerrede vollziehen Ich legte daher meinen Muff auf die Barriere und unternahm die ziemlich schwere Aufgabe ein sehr feuriges Pferd zu bändigen das große Lust zu haben schien sich zu bäumen und dessen Hufe dicht neben meinen Füßen den Erdboden stampften was mir große Furcht einflößte Der Reiter wartete einige Zeit auf den Erfolg meiner vergeblich wiederholten Anstrengungen Dann lachte er laut auf „Ich sehe wohl “ sagte er „daß das Pferd nicht zu mir kommen wird und daß ich also versuchen muß zu dem Pferde zu gelangen Haben Sie die Güte hierher zu kommen.“ Ich gehorchte ohne den geringsten Einwand „Entschuldigen Sie meine Dreistigkeit “ fuhr er fort „aber die Nothwendigkeit zwingt mich dazu Sie selbst als Stütze zu benutzen.“ Er stützte nun so schonend als möglich eine mir ziemlich schwer dünkende Hand auf meine Schulter und hinkte fast ganz auf einem Bein hüpfend bis zu seinem Pferde das er beim Zügel ergriff Mit großer Anstrengung gelang es ihm hierauf sich in den Sattel zu schwingen An seinen veränderten Gesichtszügen sah man deutlich wie sehr ihm seine schmerzhafte Verrenkung bei allen Bewegungen hinderlich war „Jetzt bitte ich Sie noch um meine Reitpeitsche sie liegt dort an der Hecke.“ Ich hob sie auf und brachte sie ihm „Ich danke Tragen Sie nun Ihren Brief nach Hay und kommen Sie baldmöglichst zurück.“ Mit diesen Worten gab der sonderbare Reiter seinem Pferde die Sporen so daß es sich erst bäumte und dann im Galapp davon sprengte Sein Hund flog ihm nach und alle Drei verschwanden in der zunehmenden Dunkelheit Die ganze Sache war gewiß an sich kein bemerkenswerther Zufall aber Sie dürfen nicht vergessen daß ich seit länger als vier Monaten in gänzlicher Abgeschiedenheit lebte immer den nämlichen Beschäftigungen obliegend und von den nämlichen Gesichtern umgeben Diesen Abend dagegen war ein wenig Thätigkeit in mein ganz passives Leben gekommen Mein Beistand war angesprochen bewilligt und auch nützlich geworden und so gewöhnlich übrigens der Antheil war den ich an dem Vorfall genommen hatte so war er doch für mich wegen des geleisteten Dienstes von größerer Bedeutung Dazu kam daß ich wohl zum ersten Mal in meinem Leben die wenn auch nur flüchtige Bekanntschaft eines Mannes gemacht hatte mit einem wenn nicht schönen so doch ausdrucksvollen Gesicht Es stand noch vor meinen Augen als ich die einzige Straße von Hay betrat um den Brief der Mistreß Fairfax auf die Post zu geben Dann vergaß ich es einen Augenblick aber es erschien mir wieder als ich auf dem Rückwege an die Barrière kam vor welcher die eben mitgetheilte Scene stattgefunden hatte Ich konnte mich nicht enthalten einen Augenblick mit den thörichten Gedanken stehen zu bleiben daß ich von Neuem den Galopp eines Pferdes auf der Straße hören den schönen großen Hund und den in seinen Pelzmantel gehüllten seltsamen Reiter wieder sehen würde Diese Bilder hatten mich kaum verlassen als ich in Thornfield-Hall ankam Das Vestibül hatte