der Besitzer des Gutes mit der größten Achtung begegnet so kann ich nicht mehr von ihm verlangen.“ „Und das kleine Mädchen meine Schülerin “ „Ist die Mündel Master Rochesters der mich beauftragt hat eine Gouvernante für sie zu suchen Da kommt sie übrigens mit ihrer Bonne Sie können sogleich Bekanntschaft mit ihr machen.“ Adele Varens die in der That aus dem kleinen Gehölz uns entgegen kam war ein Kind von sieben bis acht Jahren von schwächlicher Gestalt und bleichem Gesicht das von ungewöhnlich starkem Haar eingefaßt war Der Ausdruck ihrer Physiognomie war höchst geistreich Ich hatte für sie und auch für Sophien ihre französische Bonne den großen Vortheil über Mistreß Fairfax daß ich die Sprache ihres Vaterlandes sprach Adele war in Frankreich und wie mir schien von einer französischen Mutter geboren und hatte die fremdartige Erziehung genossen welche die geistige Entwickelung der Jugend zu ihrem größten Nachtheile beschleunigt Eine Stunde nachdem Mistreß Fairfax m ich ihr vorgestellt hatte sie mir bereits eine schmachtende Romanze vorgesungen mit reizender Anmuth die Lafontaine'sche Fabel „Der Rattenbund“ declamirt und ohnerachtet meiner Bitte sich nicht so sehr anzustrengen tanzte sie auch noch ich weiß nicht was für einen spanischen Tanz bis die zu gelegener Zeit ertönende Frühstücksglocke dieser Darlegung geringfügiger Talente ein Ziel setzte Nach dem Frühstück zeigte mir Mistreß Fairfax als eine Wirthschafterin deren Eitelkeit selten eine Gelegenheit hat sich auszusprechen das ihrer Obhut anvertraute Haus in allen seinen Einzelheiten Als wir in das Staatszimmer traten bemerkte ich mit Erstaunen daß alle Anstalten darin getroffen waren als ob für den nämlichen Abend eine Gesellschaft von fünfzig Personen erwartet würde Kein Stäubchen war auf den ihrer Ueberzüge entblößten Möbeln zu sehen das Feuer war zurecht gelegt und in einem an den Salon stoßenden weiß ausgeschlagenen Boudoir mit gegossenen Stuckverzierungen einen marmornen Kamin und bömischen Glasgeschirren die in Rubin geschliffen zu sein schienen erwarteten die ausgebreiteten Teppiche nur noch den Fuß des Hausherrn Ich machte Mistreß Fairfax meine Bemerkung darüber „Aufrichtig gesagt Miß Eyre “ entgegnete sie „würde ich mir nicht aus eigenem Antriebe die Mühe geben welche ein solches Arrangement erfordert aber ich habe bemerkt daß wenn Herr Rochester uns einen seiner seltenen und stets unvermutheten Besuche abstattet ihn die Unordnung und das Geräusch eines gewöhnlichen Einzuges unangenehm ist Ich habe es daher für meine Pflicht gehalten ihn diesen kleinen Verdruß zu ersparen.“ „Mr Rochester ist also wohl sehr eigen und streng “ „Keineswegs aber er hat seine Gewohnheiten und scheint Werth darauf zu legen daß man sie achtet Es sind übrigens die eines vollkommenen Gentleman.“ „Ist er allgemein beliebt “ „Er steht in der ganzen Umgegend in sehr hoher Achtung Die Herrschaft gehört der Familie Rochester seit undenklichen Zeiten.“ „Verzeihen Sie ich verstand meine Frage anders Lieben Sie Herrn Rochester “ „Ich habe durchaus keinen Grund ihn nicht zu lieben Er steht allgemein in dem Rufe der Gerechtigkeit und Freigebigkeit gegen Jeden der von ihm abhängt.“ „Aber sein Charakter “ „Seinem Charakter läßt sich eben so wenig etwas Böses nachsagen Er ist vielleicht ein