Chiffre vor der folgende Zeilen enthielt „Wenn J E welche sich am vergangenen Donnerstage in dem shire Herald als Gouvernante offerirt hat wirklich die angeführten Talente besitzt und wenn sie genügende Empfehlungen ihres Charakters und ihrer früheren Wirksamkeit beibringen kann so wird ihr hiermit eine Stellung vorgeschlagen in welcher sie die Erziehung eines einzigen Mädchens unter 10 Jahren zu leiten hat Der Gehalt besteht in 8 Pfund Sterling für das Jahr J E kann die oben verlangten Nachweisungen sowie die Namen der Personen auf deren Empfehlung sie sich beruft an die Herren Fairfax in Thornfield bei Millcote in der Grafschaft einsenden.“ Die Handschrift dieses Briefes war schwerfällig altfränkisch und zitternd es war augenscheinlich die einer Frau in vorgerückten Jahren Ich konnte mir nichts Besseres wünschen und vergegenwärtigte mir sogleich das Bild einer achtbaren Matrone mit würdigen und kalten Manieren und ganz in schwarzer Seide gekleidet Thornfield war ohne Zweifel ein altes Haus vielleicht ein Schloß mit kleinen Thürmen und in Bezug auf Millcote überzeugte ich mich bald durch Nachschlagen in einem geographischen Lexikon daß es ein bedeutender Fabrikort war der an dem Flusse A lag Danach konnte ich mir leicht ein Städtchen vorstellen daß von betriebsamen Einwohnern bevölkert war einen Wald von hohen Schornsteinen aus denen ein dunkler Rauch emporstieg das Geräusch von Werkstätten der Wasserräder der Schmiedehämmer der ab und zufahrenden Lastwagen und der Schiffer die sich herumstritten Der Gehalt war anständig denn er verdoppelte mein geringes Salair von Lowood und lieferte mir ein unwiderlegliches Argument bei der Vorsteherin wenn sie es sich hätte beikommen lassen meinem Abgange hindernd in den Weg zu treten Aber sie dachte gar nicht daran und wollte nur an Mistreß Reed schreiben als die Person welcher die Anstalt für meine Zukunft Rede zu stehen habe Meine ehrenwerthe Tante antwortete mir zwei Zeilen „daß ich ganz nach meinem Belieben handeln könne da sie schon seit langer Zeit darauf verzichtet habe sich in meine Angelegenheit zu mischen.“ Ich hatte also nach wenigen Tagen mit meinem Zeugniß meiner guten und treuen Dienste volle Freiheit zu gehen wohin eine neue Bestimmung mich rief In der Zwischenzeit hatte ich an Mistreß Fairfax geschrieben die sich in ihrer Antwort durch die meinem Briefe beigefügten Zeugnisse befriedigt erklärte Mein Koffer war eben so bald gepackt als vor acht Jahren bei meiner Abreise von Gateshead-Hall denn meine wenn auch hinreichende Garderobe hatte sich in dieser langen Zeit nicht sehr vermehrt Eben so bestieg ich an einem Octobermorgen um vier Uhr die durch Lowton fahrende Diligence und sechzehn Stunden nachher gegen acht Uhr Abends befand ich mich in einem Gasthofzimmer zu Millcote vor einem behaglichen Feuer bei dessen Schein ich an den Wänden des „Salons“ ein Portrait von Georg III ein anderes von dem Prinzen von Wales und den berühmten Kupferstich welcher den Tod Wolfe's darstellt bewundern konnte Dies sei nur erwähnt um Ihnen zu zeigen wie lebhaft mir alle Erinnerungen aus jener Zeit im Gedächtniß geblieben sind Als ich diese herrlichen Kunstwerke eine halbe Stunde betrachtet hatte ergriff mich eine gewisse Unruhe