Stunde auf dem Stuhle stehen und während des übrigen Tages niemand mit ihr sprechen Da stand ich nun hoch erhaben ich die ich gesagt hatte daß ich die Schande nicht ertragen könnte in der Mitte des Zimmers auf meinen eigenen Füßen zu stehen war nun aller Augen gleichsam auf einer Schandsäule ausgesetzt Keine Worte vermögen meine Gefühle zu beschreiben sie schnürten mir die Kehle zu und würden sich wohl in einem Thränenstrom Luft gemacht haben wenn nicht in diesem Augenblick eines der Mädchen bei mir vorübergegangen wäre und ihren Blick zu mir erhoben hätte Welch wunderbarer Glanz ging von ihm aus Wie durchzuckte er mich und stärkte mich Es war als ob ein Märtyrer ein Held einem armen Sklaven oder Opfer von seiner Kraft mitgeteilt hätte ich überwand meine Schwäche erhob mein Haupt und stellte mich fester auf den Stuhl Helene Burns that irgend eine unbedeutende Frage über ihre Arbeit an Miß Smith ward über das Unnütze derselben gescholten kehrte auf ihren Platz zurück und lächelte mir zu als sie das zweite Mal an mir vorüber ging Welch ein Lächeln Ich erinnere mich desselben jetzt noch es war der Ausfluß eines edlen Geistes und wahren Mutes es verklärte ihre markierten Züge ihr schmales Gesicht ihre eingesunkenen Augen wie der Wiederschein von eines Engels Antlitz Und trotzdem trug Helene Burns in diesem Augenblicke an ihrem Arm den Schandzettel und ich hatte kaum vor einer Stunde gehört daß sie Miß Scatcherd morgen zu einer Mittagsmahlzeit von Brot und Wasser verdammt hatte weil sie eine Abschrift befleckt hatte So unvollkommen ist das menschliche Urteil Auf der Scheibe des klarsten Planeten finden sich Flecken Miß Scatcherd konnte nur diese verschwindenden Unvollkommenheiten sehen und war blind für den Glanz und die Klarheit der schönen Himmelserscheinung Achtes Kapitel Bevor die halbe Stunde zu Ende war schlug es fünf Uhr die Schülerinnen wurden entlassen und begaben sich zum Vesper in den Speisesaal Ich wagte nun von meinem Stuhl herabzusteigen Es war tiefe Dämmerung ich zog mich in einen Winkel zurück und setzte mich auf die Diele Die Kraft welche mich bisher aufrecht erhalten hatte begann nachzulassen mein Kummer gewann die Oberhand und überwältigte mich so daß ich mich mit dem Gesicht auf die Erde warf und den Fußboden mit meinen Thränen benetzte Ich hatte mir vorgenommen in Lowood so artig und fleißig zu sein mir Achtung zu erwerben und Liebe und Freundschaft dazu Ich hatte schon sichtliche Fortschritte gemacht war diesen Morgen in meiner Klasse die erste geworden Miß Miller hatte mich warm gelobt Miß Temple mir ein anerkennendes Lächeln geschenkt sie hatte mir versprochen mich das Zeichnen zu lehren und mir die Aussicht eröffnet daß ich französisch lernen dürfte wenn ich noch zwei Monate hindurch den gleichen Fleiß zeigte Auch von meinen Mitschülerinnen war ich wohl gelitten die gleichaltrigen behandelten mich wie ihresgleichen und nun lag ich hier in den Staub getreten Würde ich mich jemals wieder erheben können Niemals dachte ich und wünschte sehnsüchtig zu sterben Während ich schluchzend so klagte näherte sich mir jemand