da weckte mich plötzlich aus meinem Sinnen eine schwache Stimme Bin ich ganz allein fragte die Kranke und zugleich machte sie einen Versuch sich aufzurichten Ich bin bei Dir Tante Reed sagte ich und war sogleich an ihrer Seite Warum bist Du jetzt bei mir Jane Du hassest mich ja und wolltest mich nie wieder Tante nennen Oh ich war ein unverständiges Kind wie ich das sagte es ist schon so lange her denke nicht mehr daran liebe Tante und vergieb es mir Du hattest ein Recht mich zu hassen denn ich verstieß Dich und war grausam gegen Dich und Rege Dich nicht auf liebe Tante das ist alles vergessen und vergeben beruhigte ich sie ihr die Hände küssend ich hätte Dich schon damals gern geliebt wenn Du es mir nur erlaubt hättest Sie streichelte mir die Wange und ihr sonst so strenges Auge blickte so milde wie ich es nie zuvor gesehen sie lehnte sich in die Kissen zurück und blieb einige Minuten ganz still ich setzte mich auf den Rand des Bettes und hielt ihre Hände in den meinigen Plötzlich nahm ihr Gesicht einen verstörten Ausdruck an Ich kann nicht sterben Jane rief sie verzweiflungsvoll wie soll ich dort drüben Deinem Onkel begegnen Ich habe ihm versprochen Dich mit meinen eigenen Kindern wie eines von ihnen zu erziehen und habe mein Wort gebrochen Er wird es Dir verzeihen wie ich es Dir verziehen habe suchte ich sie zu beruhigen Es war vielleicht gut so für mich und notwendig daß ich in anderen Verhältnissen auferzogen wurde In diesem Sinne redete ich ihr noch eine Weile zu sie ließ sich beschwichtigen aber es wollte mir dennoch scheinen als ob ihr Gemüt vor einem drückenden Gedanken den sie nicht auszusprechen wagte nicht recht zur Ruhe kommen wollte Es thut mir wohl Jane sagte sie nach einiger Zeit wieder daß Du bei mir bist und mich Tante nennst und mich nicht mehr mit den fürchterlichen Augen ansiehst wie damals ich fürchte mich davor daß Du es wieder thust und mich wieder hassest darum wird es mir so schwer Dir zu sagen warum ich Dich herkommen ließ Wenn es Dein Herz erleichtern kann so schütte es mir aus liebe Tante das meinige hat jetzt keinen Raum für Haß Sie sah mich einige Sekunden ängstlich forschend an Es muß sein sagte sie endlich Ich werde bald vor dem ewigen Richter stehen und wenn ich Gnade vor seinen Augen finden will so muß ich meine Sünden hier wieder gut machen so weit es in meinen Kräften steht Hole das Kästchen dort von der Kommode Jane Ich that wie sie mir geheißen Hier ist der Schlüssel sagte sie einen kleinen Schlüssel unter ihrem Kopfkissen hervorziehend öffne es nimm den Brief heraus den Du darin findest und lies Sie sprach das Alles in abgebrochenen Sätzen aufgeregt und nach Atem ringend der Entschluß mir den Inhalt des Kästchens preiszugeben wurde ihr offenbar sehr schwer Der Brief den ich lesen sollte war in einer mir ganz fremden Handschrift und