oh heim Denn ich hatte ja eine Heimat hatte Mr Rochester nicht gesagt ich solle das nie vergessen Ja ich hatte sie aber auf wie lange Mr Rochester wollte mir wohl ich wußte es er würde mir in Thornfieldhall immer eine Heimat gewähren aber seine stolze Braut das fühlte ich würde mich bald ach nur zu bald aus diesem Paradiese vertreiben Georgiana ließ mir nicht Zeit meinen Gedanken weiter nachzuhängen sie forderte meine ganze Aufmerksamkeit für ihre Klagelieder Worüber hatte sie alles zu klagen Über ihren Bruder John der eine Schande der Familie gewesen über die Schwäche ihrer Mutter die ihm den größten Teil ihres Vermögens geopfert und die sich jetzt das Schicksal dieses Verlorenen so zu Derzen nähme daß sie so lange krank und das ganze Haus ausgestorben sei Dann gab sie ihrer Sehnsucht nach London Ausdruck begnadigte mich mit einer Erzählung der Triumphe die sie dort gefeiert klagte Eliza an daß sie ihr diese nicht gegönnt und machte mich zur Vertrauten aller ihrer Zänkereien mit der gefühllosen und neidischen Schwester wie sie Eliza nannte Sprach ich diese denn auch sie würdigte mich jetzt mitunter einiger vertraulicher Mitteilungen so machte sie ihrer Entrüstung über Georgiana Luft klagte sie der Eitelkeit und des Müßigganges an und diese Anschuldigungen waren im Grunde nicht so ungerechtfertigt denn Georgiana brachte die längste Zeit des Tages vor dem Spiegel oder auf dem Sofa liegend und Romane lesend zu während Eliza unablässig beschäftigt war Ihre Beschäftigungen schienen mir zwar keinen besonders hohen Zweck zu haben sie bestanden hauptsächlich darin Rechnungen über ihren Besitz anzustellen den Stand der Börsenpapiere zu studieren und mit äußerster Pünktlichkeit zu bestimmten Tageszeiten in einem Buche zu lesen das religiöse Betrachtungen enthielt Das alles schien sie mit einer großen Achtung vor ihrem eigenen Thun zu erfüllen aber ich habe nicht einmal bemerkt daß ihre religiösen Übungen eine Regung der Milde und Freundlichkeit oder ein Gefühl der Demut und Verträglichkeit hervorriefen So durchlebten wir mehrere Wochen Ich hatte zuweilen an Mrs Fairfax geschrieben und von ihr gehört daß Mr Rochester nach London gereist sei um wie es schiene Vorbereitungen für seine bevorstehende Hochzeit zu treffen obgleicher immer noch keine bestimmte Äußerung über seine Absichten gethan habe einmal habe sie es sogar gewagt ihn direkt nach seinen Plänen zu fragen aber er habe ihr nur mit einem Scherzwort und einer seiner gewöhnlichen Grimassen geantwortet In jedem Briefe sprach sie ihren Wunsch mich bald wiederzusehen und Adeles Verlangen nach mir aus Wie gern wäre ich zu ihnen geeilt aber jetzt hielt mich doch hier meine nächste Pflicht Eines Abends war ich wieder allein bei der Kranken ich hatte die Wärterin zum Abendessen in die Küche geschickt Auf dem Tische neben dem Krankenbette brannte die beschattete Nachtlampe es war nur ein mattes Dämmerlicht im Zimmer und so recht die Zeit sich seinen sehnsuchtsvollen Gedanken in die Ferne zu überlassen mit denen ich mich denn auch in meinen Schlupfwinkel am Fenster zurückgezogen hatte da Mrs Reed wie gewöhnlich in ihrem Halbschlummer lag Ich saß lange unbeweglich