gut gemeintes Geschenk zurückweisen Lord Rochester ist ein gerechter Mann er wird meine Gründe hören und dieselben bei einigermaßen ruhigem Nachdenken auch bestimmt billigen Nun Miß Eyre ich habe meine Pflicht gethan und Ihnen das Kleid gegeben Werden Sie selbst mit dem Herrn fertig aber ich mag bei Ihrem ersten Zusammentreffen nicht zugegen sein Ich gehe und will die Zimmer noch einmal nachsehen Und ich werde mich in meine schönsten Kleider hüllen um die Gäste Seiner Herrlichkeit würdig empfangen zu können Jane 's Toilette war in wenigen Minuten vollständig fertig Das einzige seidene Kleid welches sie besaß war von blaßgrauer Farbe und war von ihr bisher drei oder viermal bei außergewöhnlichen Gelegenheiten in Lowood getragen worden so daß es Anspruch auf den Namen eines neuen und überaus anständigen Kleides erheben konnte auch an äußerem Ausputz wie reizendes Krägelchen und blendend weißen Manschetten ließ sie es nicht fehlen so daß auch ein strenges weibliches Auge nicht den geringsten Tadel an ihrem Gesellschaftsanzuge hätte entdecken können So ausgerüstet wartete sie bis zu dem Zeitpunkte zu welchem Rochester eintreffen konnte und begab sich dann nach den Empfangszimmern hinab in welchen sie der Lord gleich bei seiner Ankunft vorfinden sollte falls er ihr noch bestimmte Aufträge zu erteilen hätte Elftes Kapitel Jane hatte die zum Empfange bestimmten Zimmer vor elf Uhr betreten und schon wenige Minuten darauf deuteten Hufschläge im Hofe die Ankunft des Lords an den sie sofort auch in lautem Gespräche mit Patrik und Sam begriffen fand welchen Beiden er Weisungen für das Unterkommen der eintreffenden Pferde und Geschirre erteilte Der Lord schien heiterer Laune zu sein denn mehrmals hörte sie ihn was sonst ganz gegen seine Gewohnheit war laut auflachen Das Gespräch im Hofe verstummte und bald hörte Jane Rochester 's festen und wuchtigen Tritt durch die Vorhalle sich den Empfangszimmern nahen und noch eh sie es vermutete stand der Lord vor ihr und rief ihr einen freundlichen Gruß entgegen Willkommen Herr sprach sie mit einer höflichen Verbeugung Es freut mich Miß Eyre daß ich Sie pünktlich auf dem Platze finde aber zum Wetter weshalb haben Sie das Ihnen gesandte neue rote Kleid nicht angelegt Rot halte ich für eine Farbe die sich der Stellung einer Gouvernante nicht ziemt und die auch sonst zu meinem Aeußeren nicht wohl passen möchte Herr ich will nicht gern gegen die Regel verstoßen Sie haben meine Zeilen an Mistreß Harleigh gelesen und fühlen sich durch dieselben verletzt Miß Eyre Ich lese das jetzt noch auf Ihrem Gesicht Mistreß Harleigh hat mir Ihren Brief gegeben ich habe ihn gelesen kann Ihnen aber Auge in Auge behaupten daß ich mich nicht im entferntesten verletzt fühle Ich will Ihnen glauben Miß Eyre obwohl ich es nicht gut für möglich halte daß Sie durch mein Geschenk nicht empfindlich berührt sein sollten Nein Herr es hat mich erfreut aber tragen werde ich es jetzt bestimmt nicht Nun meinetwegen Miß Eyre Sie sehen ja auch in Ihrem grauen Kleidchen ganz passabel aus Ich möchte mit Ihnen ehe meine Gäste eintreffen einige