sein Inneres einem wirklichen Lazarette glich und bleiche und verstörte Mienen nur in seinen Zimmern und Gängen anzutreffen waren breitete ein unbewölkter Maihimmel seine herrlichen Reize über alle die weiten Lowoodumgebenden Fluren Hügel und Wälder Rosen Lilien Tulpen und Nelken blühten in bunter Pracht auf den kleinen Gartenbeeten der Anstalt aber alle diese herrlichen Blumen welche zu jeder Tageszeit ihren herrlichen Duft ausströmten waren nutzlos für die meisten Bewohnerinnen von Lowood außer daß sie dazu dienten eine Handvoll Blätter und Blumen zu liefern die man als letztes Andenken an ein junges Leben auf ein frühzeitiges Grab legen konnte Jane und die übrigen gesunden und zurückgebliebenen Mädchen konnten die Schönheiten der Jahreszeit recht genießen vom Morgen bis zum Abend durften sie frei im Walde umherschweifen und auch im Hause stand die Aufsicht in keinem Vergleiche gegen früher ja die Zöglinge bekamen bessere Speise und größere Portionen Mister Blackhurst noch irgend ein Glied seiner Familie kam in dieser Zeit nach Lowood und die alte strenge Haushälterin welche pünktlich auf die Hausregel sonst hielt war aus Furcht vor der Seuche geflohen Anfänglich streifte Jane allein oder in Gesellschaft eines Mädchens von ihrem Alter herum Namens Anna Wilson aber sehr bald vermißte sie Helene Snider und sehnte sich nach ihrem Umgange Aber Helene lag krank darnieder ja schon seit einigen Wochen war sie ihr nicht vor Augen gekommen und sie wußte nicht einmal in welches Zimmer sie einquartiert war Erst nach vielfachen Fragen konnte sie erfahren daß Helene nicht unter den Fieberkranken sich befand sondern an der Auszehrung leiden sollte An einem recht sonnigen und warmen Nachmittage wurde sie von Miß Temple in den Garten geführt aber auch bei dieser Gelegenheit wurde es Jane nicht erlaubt zu Helene zu gehen und sie nach ihrem Befinden zu fragen Die Kranke war in wollene Tücher dicht eingehüllt und durfte nur in ganz kurzer Entfernung von dem bedeckten Gange siten Jane litt dabei sehr schmerzlich aber sie mußte sich in das Unvermeidliche fügen Als sie eines Abends mit Anna Wilson etwas später als gewöhnlich von einem ihrer gemeinschaftlichen Ausflüge zurückkam wurde ein Pferd an der Gartenthüre gehalten in welchem sie gleich dasjenige des Arztes erkannte Anna sprach die Vermutung aus es müsse Jemand sehr krank sein da man Mister Bates den Doktor noch so spät habe von Lowood herbei holen lassen und Jane mußte ihr selbstverständlich beipflichten Gleich darauf trat auch Mister Bats begleitet von einer Wärterin aus dem Hause bestieg eiligst sein Pferd und ritt hinweg Jane flog von einer bangen Ahnung ergriffen auf die Wärterin zu Wie geht es mit Helene Snider fragte sie Sehr schlecht lautete die Antwort der Wärterin Ist Mister Bates um ihretwillen gekommen Ja nur um sie allein Und was sagte er über ihren Zustand Er sagte sie werde bald ausgelitten haben Jetzt trat zum ersten Male der Gedanke an Jane heran daß ihre beste Freundin ihre geliebte Helene dem Tode vielleicht rettungslos verfallen sei und sie empfand neben dem tiefsten Schmerz und dem stärksten Entsetzen den unbesiegbaren Wunsch die Kranke