um ihre Umgebung unbekümmert um ihre Zukunft da sie ja nichts lernte was sie einst hätte selbständig machen können Sie war schon zufrieden sobald sie in Ruhe gelassen und ihr Peiniger John fern von ihr war der es vorzog lieber in London zu bleiben als in den Ferien seine Mutter zu besuchen Zwei Jahre waren fast bereits seit Mister Reed 's Tode verflossen ohne daß eine wesentliche Änderung auf Gateshead vor sich gegangen wäre nur Mistreß Reed war jetzt mehrfach von ihrer Besitzung abwesend und verbrachte längere Zeit bei Bekannten in der Nähe um so schnell wie möglich wieder heimkehren zu können wenn es erforderlich sein sollte Unerwartet traf sie einstmals mit John und Georgine ein es handelte sich hierbei um die Verlobung Georginens welche einen vornehmen aber wenig begüterten Lord kennen gelernt hatte Lord Clarens so war sein Name hatte bei Mistreß Reed um Georginens Hand geworben und da Letztere dem jungen Manne sehr geneigt schien ihre Zustimmung freudig erteilt Die Verlobung sollte so festlich wie möglich begangen zuvor aber erst Jane aus dem Hause entfernt werden Mistreß Reed beabsichtigte diese Entfernung über welche sie bereits Verhandlungen mit Mister Black hurst dem Vorsteher einer Waisenanstalt zu Lowood eingeleitet hatte ohne Weiteres vor sich gehen lassen ein unerwarteter Auftritt sollte ihr Gelegenheit geben Jane 's Entfernen als eine Folge ihres Ungehorsams ihrer Böswilligkeit hinstellen und bezeichnen zu können Es war am 19 November dem Todestage Mister Reed 's an welchem im ganzen Hause Niemand dachte zumal Sarah 's Bruder Kapitän Whitfield unverhofft auf Gateshead eingetroffen war seine Ankunft wurde festlich begangen Man saß Nachmittags bei Tafel und feierte das Wiedersehen in vollen Zügen und Whitfield war ungemein erfreut in Georginens Bräutigam einen gebildeten und liebenswürdigen jungen Mann kennen zu lernen der sich in den Stunden welche er nicht in Georginens Gesellschaft verbringen konnte fleißig dem Studium überließ zu welchen ihm die vorhandene Bibliothek reichliche Gelegenheit bot Hierdurch war das stets verschlossen gehaltene Zimmer geöffnet Jane hatte hiervon Kenntnis erhalten und eine unwiderstehliche Sehnsucht trieb sie heute an ihres Onkels Sterbetage seinem lieben Bilde wieder einmal in die sanften Augen blicken zu können Wohl wußte sie daß ihr das Betreten dieses Zimmers verboten war aber bei dem festlichen Treiben des Tages und da man gerade mit der Mittagstafel noch beschäftigt war glaubte sie schon einmal unbemerkt sich des Anblicks des Bildes von ihrem lieben Onkel erfreuen zu können Leise öffnete sie die Thüre des Zimmers und ebenso leise schloß sie dieselbe wieder dann eilte sie nach des Onkels Bilde kniete vor demselben nieder und sprach Onkel Reed mein guter Onkel Reed siehst Du mich Ja Du lächelst Du siehst mich und hörst meine Worte die ich an Dich richte Sie sagen Alle daß ich böse und undankbar sei Glaubst Du es Onkel Reed Nein nein Du glaubst es nicht Wenn Du es glauben könntest wäre ich nicht allein ein schlechtes sondern auch ein vollständiges unglückliches und verwahrlostes Geschöpf das niemals verdient hätte so zärtlich von Dir geliebt zu werden als Du