Familie Reed Anna mit Jane und auch die Erzieherin Bessie Home an der Mittagstafel und auch dieses erste Zusammentreffen fiel aus Respekt vor des Vaters Willen und Befehl und aus Liebe für die immer nachsichtige Mutter ganz leidlich und erträglich aus wenn auch Anna's scharfe Beobachtungsgabe sofort entdeckte daß das angenommene herzliche Wesen nicht aus freiem Antrieb oder aus Neigung entsprang aber wie hätte sie dies auch schon beim ersten Zusammentreffen beanspruchen können War es nicht mehr für sie als sie zu beanspruchen hatte daß man sie mit ihrem Kinde ohne ein Wort der Widerrede in das Haus aufgenommen hatte und sie als zur Familie gehörend betrachtete Hatte sich ihre elende und trostlose Lage nicht wie mit einem Zauberschlage verwandelt Konnte sie nicht zunächst unbekümmert in die Zukunft schauen und für ihres Kindes Glück die besten Aussichten erwarten Mister Reed sprach während der Mahlzeit absichtlich nicht viel und überließ es seiner Frau die Unterhaltung zu führen er bemerkte auch mit Zufriedenheit daß seine beiden Kinder deren Stolz ihm kein Geheimnis war so sehr er auch dagegen ankämpfte Fragen an die Tante und Jane richteten und hob endlich in vergnügter Stimmung die Tafel auf Anna welche für sich und Jane mit geschickter Hand zwei saubere und kleidsame Anzüge aus Sarah 's und Georgine 's abgelegter Garderobe hergestellt hatte mußte auch den Kaffee im Familienkreise mit einnehmen und durfte sich erst entfernen als Bessie 's Unterricht wieder begann Nach kräftiger Nahrung und in besseren und anständigen Kleidern boten die Beiden jetzt nicht mehr ein Bild des Erbarmens wie bei ihrem Eintreffen sondern machten vielmehr einen recht freundlichen Eindruck Besonders machte Jane mit ihren schönen dunklen Augen und ihrem krausen fast gelockten dunklen Haar mit ihrem sanften stillen Wesen und ihren verständigen Antworten die auf eine frühe Geistesreife schließen ließen einen ungemein wohlthuenden Eindruck auf Reed's Herz und er gewann ohne es sich selbst bewußt zu sein vom ersten Tage an eine gewisse Neigung und Vorliebe für Jane Ja diese Vorliebe schien eine gegenseitige zu sein denn Jane hing unverwandt an ihres Onkels Auge und lauschte auf jede seiner Mienen auf jedes seiner Worte War die Tante auch dem kleinen Mädchen freundlich und warm entgegengetreten das Kind hielt sich stets mit einer gewissen Zaghaftigkeit in einer gewissen Entfernung von der schönen stolzen Frau Der Abend vereinigte die Familie wiederum in einem gemeinschaftlichen Zimmer und verlief in stiller Behaglichkeit so daß sich Reed heimlich gestehen mußte einen so angenehmen und gemütvollen Tag seit längerer Zeit in seinem Hause nicht verbracht zu haben Das Leben auf Reed 's Besitzung verlief meist still oft einförmig Jane konnte noch nicht an dem Unterrichte Georgine's und John 's teilnehmen kam mit diesen daher auch nur wenig in Berührung und so gab es für sie manche Stunde in welcher sie allein sich in der nächsten Umgebung des Parkes aufhalten und spielen durfte Hier nun suchte sie Onkel Reed öfters auf und erfreute sich an ihrem kindlichen harmlosen Geplauder bei welchem er manch tiefen Blick in Jane 's reiches und