sich geändert hatte und das unvollkommene durch ihre schmalen Fenster hereinfallende Licht zeigte Bettstellen die wohl ein Jahrhundert alt waren Schränke aus Eichen oder Wallnußholz die mit ihrem seltsamen Schnitzwerk von Palmzweigen und Cherubsköpfen der jüdischen Bundeslade entlehnt zu sein schienen Reihen ehrwürdiger Stühle mit hohen und schmalen Lehnen noch ältere und niedrigere Sessel deren mit Kissen versehenen Oberteile noch Spuren halbverblaßter Stickereien aufwiesen Alle diese Altertümer verliehen dem dritten Stockwerke von Thornfield Hall das Ansehen eines Hauses der Vergangenheit eines der Erinnerung geweihten Heiligtums Bei Tage gefiel mir die StiLe die Düsterheit die wunderliche Ausstattung dieser Räume aber ich hätte nie eine Nacht in einem dieser breiten und schweren Betten zubringen mögen von denen einige mit eichenen Türen versehen andere mit alten englischen Vorhängen behangen waren voll schwerer Stickereien welche Bilder seltsamer Blumen noch seltsamerer Vögel und der seltsamsten menschlichen Wesen dar stellten was alles bei dem bleichen Schimmer des Mondes in der Tat seltsam genug ausgesehen haben würde Schläft die Dienerschaft in diesen Zimmern fragte ich Nein sie bewohnt eine Reihe kleinerer Zimmer nach hinten hinaus hier schläft nie jemand man könnte fast sagen wenn es einen Geist in Thornfield Hall gäbe so würde er hier umgehen Das meine ich auch Sie haben also hier keinen Geist Nicht daß ich wüßte entgegnete Frau Fairfax lächelnd Aber ein Familiengespenst gehört doch zum Inventar jedes einigermaßen anständigen Schlosses Wir haben hier keines Und doch sagt man die Rochesters seien zu ihrer Zeit eher gewalttätige als friedliche Leute gewesen Das mag der Grund sein warum sie jetzt in ihren Gräbern so ruhig schlafen Ja nach des Lebens wildem Fieber schlafen sie ruhig zitierte ich Wo gehen Sie hin Frau Fairfax sagte ich laut als ich sie weitergehen sah Auf das Bleidach wollen Sie mit mir gehen und von dort die Umgegend überBlicken ich folgte ihr abermals eine ganz schmale nach der Attika führende Treppe hinauf und von da auf einer Leiter und durch eine Falltür hindurch auf das Dach des Schlosses Ich befand mich nun in gleicher Höhe mit der Dohlenkolonie und konnte in ihre Nester sehen Ueber die Zinne gelehnt sah ich die Umgegend wie eine Landkarte vor mir liegen den glänzenden und samtnen Rasenplatz der das graue Fundament des Schlosses dicht umgürtete das Feld weit wie ein Park mit alten Bäumen bestanden das Gehölz dunkelbraun und dürr durch einen mit Moos bewachsenen Weg geteilt die Kirche vor dem Parktor den Weg die stillen Hügel alles von dem goldigen Glanz der Herbstsonne umflossen den Horizont und den azurblauen mit perlenähnlichem Weiß marmorierten Himmel Nirgends etwas Außerordentliches aber alles lieblich Als ich mich wieder umwandte und durch die Falltür hinabstieg konnte ich kaum meinen Weg die Leiter hinabfinden die Attika schien schwarz wie ein Gewölbe im Vergleich mit dem blauen Himmelsbogen den ich eben betrachtet hatte und im Vergleich mit der sonnigen Landschaft deren Mittelpunkt das Schloß bildete Frau Fairfax blieb einen Augenblick zurück um die Falltür wieder zuzumachen ich tappte mich nach dem Ausgang hin und stieg die schmale Dachtreppe