hatte mein Gesicht an Helenens Schulter gedrückt die Arme um ihren Hals geschlungen Ich schlief und Helene war tot Ihr Grab ist auf dem Kirchhofe von Brocklebridge noc fünfzehn Jahre nach ihrem Tode bemerkte man darauf bloß einen Rasenhügel Nun bezeichnet den Ort eine kleine graue Marmorplatte worauf man ihren Namen und das Wort Resurgam liest Zehntes Kapitel Der Typhus ließ in dem Waisenhaus zu Lowood nachdem er sehr viel Opfer gefordert hatte allmählich nach aber nun war auch schon die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Mißbräuche die in der Anstalt herrschten gelenkt und es brach ein Sturm der Entrüstung aus der die Brocklehurstschen Erziehungsprinzipien vollständig wegfegte Mehrere reiche Leute spendeten bedeutende Summen für Errichtung eines passenderen Gebäudes in besserer Lage eine neue Hausordnung wurde entworfen Verbesserungen in der Kost und Kleidung eingeführt und die Gelder der Schule einem Verwaltungscomité übergeben Der Herr Pfarrer Brocklehurst der in Anbetracht seines Reichtums und seiner Familienverbindungen nicht übergangen werden konnte blieb zwar noch Schatzmeister und auch Inspektor aber es wurden ihm Männer zur Seite gestellt die einsichtsvoller und menschlicher zu sein verstanden als er Acht Jahre weilte ich nach der Ummodelung der Schule noch in ihren Mauern und während dieser Zeit führte ich ein zwar einförmiges aber nicht unglückliches weil nicht untätiges Leben ich wurde seinerzeit die Erste in der ersten Klasse darauf wurde mir das Amt einer Lehrerin übertragen in welcher Eigenschaft ich auch zwei Jahre lang mit vollem Eifer tätig war nach Ablauf dieser Zeit aber nahm ich eine andere Stelle an Fräulein Temple war bei allen Veränderungen die mit der Anstalt vorgingen Vorsteherin geblieben ihrem Unterricht verdankte ich den größten Teil der Kenntnisse und Geschicklichkeiten die ich mir erworben hatte ihre Freundschaft war mein beständiger Trost gewesen ich hatte die ganze Zeit über zu ihr mehr wie zu einer Mutter als wie zu einer Lehrerin emporgeBlickt Aber dann verheiratete sie sich zog mit ihrem Gatten einem Geistlichen einem vortrefflichen Manne der einer solchen Frau nahezu würdig war in eine entfernte Grafschaft und war daher für mich verloren Von dem Tage ab an dem sie die Anstalt verließ war ich nicht mehr die selbe mit ihr war jedes mir zur Gewohnheit gewordene Gefühl war jede Ideenverbindung die Lowood gewissermaßen zu einer Heimat für mich gemacht hatte durchschnitten Feilich in dem Augenblick als ich von meiner liebsten Freundin jetzt Frau Rasmyth Abschied nahm ahnte ich noch nicht was diese Trennung alles für mich bedeutete Aber nachdem ich dann mehrere Stunden in meinem Zimmer nachdenklich auf und abgegangen war dämmerte die Entdeckung in mir auf daß ich während der Zeit einen Umwandlungsprozeß durchgemacht daß mein Geist alles abgelegt hatte was er von Fräulein Temple entliehen oder vielmehr daß sie die heitere Atmosphäre mit sich genommen hatte die ich in ihrer Nähe geatmet und daß ich nun zu meinem natürlichen Elemente zurückgekehrt war und die alte Leidenschaftlichkeit sich wieder in mir regte Ich hatte das Gefühl nicht daß eine Stütze mir entzogen wäre sondern vielmehr daß ein Beweggrund verschwunden sei es war nicht die Kraft