behandeln Heiden und Wilde sind dieser Lehre zugetan aber Christen und gesittete Nationen verwerfen sie Lies im Neuen Testament was Christus sagt und wie er handelt laß sein Wort deine Lebensregel sein und nimm ihn dir zum Vorbilde Was sagt er denn Liebet eure Feinde segnet die euch fluchen tut Gutes denen die euch hassen und verfolgen Da müßte ich ja aber auch Frau Reed lieben und ihren Sohn John segnen das kann ich nicht Natürlich fragte nun Helene was das für Leute wären und ich erzählte ihr was ich alles gelitten hätte und wie ingrimmig ich meine ehemaligen Peiniger noch jetzt haßte Kannst du verlangen endigte ich meinen Bericht daß man solche Menschen lieben soll Frau Reed antwortete Helene ist allerdings unfreundlich gegen dich gewesen weil dein Charakter ihr nicht sympathisch war aber wie genau erinnerst du dich an alles was sie getan und gesagt hat So nachtragend muß man nicht sein Du schadest ja nur dir selber wenn du dich so abärgerst Helene unterbrach hier die Stimme einer Aufseherin ihre Rede wenn du nicht sofort gehst und deine Sachen in Ordnung bringst rufe ich Fräulein Scatcherd Helene seufzte stand aber auf und folgte schweigend der Aufseherin Siebentes Kapitel Mein erstes Quartal zu Lowood schien mir eine Ewigkeit zu dauern auch war es weit entfernt für mich das goldene Zeitalter zu sein Bestand es doch in einem ärgerlichen Kampfe mit Schwierigkeiten aller Art um mich an neue Regeln und ungewohnte Aufgaben zu gewöhnen Die Furcht dabei zu unterliegen peinigte mich mehr als das physische Ungemach obgleich auch dieses keine Kleinigkeit war Den Januar Februar und einen Teil des März hindurch verhinderte uns der tiefe Schnee und als wärmeres Wetter eintrat der abscheuliche Zustand der Wege unsere Spaziergänge über die Gartenmauern hinaus auszudehnen Die einzige Ausnahme war daß wir des Sonntags zur Kirche gehen mußten Sonst durften wir innerhalb der uns gesteckten Grenzen jeden Tag eine Stunde in freier Luft zubringen was wir aber nicht als eine Wohltat betrachteten Unsere Kleidung konnte uns gegen die strenge Kälte nicht schützen wir hatten keine Stiefel der Schnee drang in unsere Schuhe ein und schmolz da Unsere unbehandschuhten Hände waren stets starr vor Kälte und mit Frostbeulen bedeckt ebenso auch unsere Füße Ich erinnere mich noch recht gut der Qualen die ich jeden Morgen ausstand wenn ich meine geschwollenen und steifen Zehen in die Schuhe zwängen mußte Zudem brachte uns die Knappheit und schlechte Beschaffenheit der Kost die man uns reichte fast zur Verzweiflung und schlimmer noch als das physische Elend waren die moralischen Folgen die der Hunger zeigte So entstand u a ein Mißbrauch unter dem die jüngeren Schülerinnen viel zu leiden hatten So oft nämlich die großen Mädchen eine günstige Gelegenheit abpassen konnten schmeichelten oder drohten sie den kleinen so lange bis sie ihre Portion mit ihnen teilten Gar oft habe ich das kostbare Stück Schwarzbrot das wir zur Teezeit erhielten an zwei Mädchen verteilt die mich darum bestürmten und wenn ich an eine dritte den halben Inhalt meines Kaffeebechers abgetreten