er geschrieben stand Im Laufe der Korrespondenz die ich wegen des Testaments mit Herrn Briggs anknüpfen mußte hatte ich bei ihm angefragt oh er von Herrn Rochesters gegenwärtigem Aufenthaltsorte und Gesundheitszustande Kunde hätte Wie aber St John bereits vermutet hatte wußte er von ihm ganz und gar nichts Dann schrieb ich an Frau Fairfax und bat sie um Auskunft fest überzeugt daß eine Antwort nicht lange auf sich warten lassen würde Aber es vergingen zwei Monate ohne daß mir die Post einen Brief von Thornfield Hall brachte und so wurde ich eine Beute einer täglich qualvolleren Unruhe Ich schrieb abermals es war ja möglich daß mein erster Brief verlorengegangen war Neue Hoffnung folgte dem neuen Versuche sie schien wie die erste einige Wochen lang und dann nahm sie wie diese immer mehr ab und verflackerte endlich nicht eine Zeile nicht eine Silbe kam Als ein halbes Jahr in vergeblicher Erwartung verging erstarb meine Hoffnung und es kam mir alles um mich her öde und finster vor Ein schöner Frühling dessen ich mich nicht erfreuen konnte glänzte um mich her Der Sommer kam herbei Diana suchte mich aufzuheitern sie sagte ich sehe schlecht aus und wollte mich an die Seeküste begleiten Dem widersetzte sich aber St John er sagte nicht Zerstreuung brauchte ich sondern Beschäftigung mein gegenwärtiges Leben sei zu zwecklos ich müsse einen Gegenstand des Strebens haben Ich glaube um diesem Mangel abzuhelfen verlängerte er die Stunde die er mir im Hindostanischen gab noch mehr und drang darauf daß ich meinen Studien beharrlich obliegen sollte und ich Törin dachte nie daran ihm Widerstand zu leisten und konnte ihm auch keinen Widerstand leisten Eines Tages war ichniedergeschlagener als gewöhnlich zu meinen Studien gekommen Hannah hatte mir am Morgen gesagt es sei ein Brief für mich angekommen und als ich hinabging fast mit der Gewißheit daß ich endlich die langersehnte Nachricht erhalten würde fand ich nur einen unwichtigen Geschäftsbrief von Herrn Briggs Die bittere Enttäuschung hatte mir einige Tränen ausgepreßt und nun als ich dasaß und über den wunderlichen Schriftzügen eines indischen Buches brütete füllten meine Augen sich abermals mit Tränen John rief mich zu sich hin um zu lesen Als ich dies nds zu tun versuchte versagte mir die Stimme die Worte gingen in Schluchzen auf Ich war mit ihm allein im Zimmer Diana übte ein Musikstück im Gesellschaftszimmer ein Marie arbeitete im Garten Es war ein sehr schöner Maitag hell sonnig und kühl durch einen sanften Wind St John drückte bei dieser meiner Gemütsbewegung keine Ueberraschung aus auch fragte j er mich nicht nach der Ursache sondern sagte bloß Wir wollen einige Minuten warten Jane bis Sie gefaßter sind Und während ich den Paroxysmus so geschwind es mir möglich war unterdrückte saß er über sein Pult geneigt ruhig da wie ein Arzt der mit dem Auge der Wissenschaft die richtig vorausgeahnte Krisis einer Krankheit beobachtet Nachdem ich mein Schluchzen unterdrückt meine Augen getrocknet und gemurmelt hatte es sei mir an diesem Morgen nicht ganz wohl machte ich mich wieder an