der angebornen Vorliebe der kleinen Pariserin für alles was die Toilette betrifft Nun ließ sich ein gedämpftes Geräusch hören welches mir lagte daß man von der Tafel aufstand der Vorhang wurde zurückgeschlagen und nun zeigte sich unsern Blicken der Speise saal mit seinem brennenden Kronleuchter der sein Licht über ein prächtiges Dessertservice herabgoß eine Gruppe von Damen stand in der Deffnung sie traten in den Salon und der Vor bang fiel hinter ihnen Es waren ihrer bloß acht indessen erschienen sie mir ich weiß nicht wie das kam weit zahlreicher als sie aus dem Speisesaal hereintraten Ich erhob mich und verneigte mich eine oder zwei nickten die übrigen starrten mich bloß an Bald zerstreuten sie sich im Salon die Leichtigkeit und der Schwung ihrer Bewegungen erinnerte mich an eine Schar weiß gefiederter Vögel Einige von ihnen warfen sich auf die Sofas und Ottomanen in eine halbliegende Stellung andere neigten sich über die Tische und prüften die Blumen und Bücher die übrigen bildeten eine Gruppe uns Feuer herum Alle sprachen in einem leisen aber hellen Tone der ihnen zur Gewohnheit geworden zu sein schien Am meisten interessierten mich natürlich Lady Ingram und ihre Töchter Blanche und Maria deren außere Erscheinung ich mir von Frau Fairfax hatte ausführlich beschreiben lassen Sie waren alle drei ausnahmsweise hoher Statur Lady Ingram mochte zwischen vierzig und fünfzig sein ihre Gestalt war noch schön ihr Haar wenigstens bei Kerzenlicht noch schwarz und ihre Zähne waren dem Anschein nach noch vollkommen Aber wenn sie in physischer Hinsicht eine stattliche noch schöne Frau genannt werden konnte so mißfiel sie mir doch wegen ihrer hochmütigen Haltung und ihrer Physiognomie Sie hatte römische Züge die mir vor Stolz nicht bloß aufgeblasen und verdüstert sondern sogar gefurcht schienen auch trug sie ihr doppeltes Kinn steif nach vorn und oben gerichtet was sich nicht schön aus nahm ihre strengen Augen erinnerten mich an Frau Reed sie sprach mit vollem Munde sehr pompös sehr gemessen kurz unnatürlich Gekleidet war sie in ein karmesinrotes Samt gewand und in einen Scalturban von golddurchwirkten indischem Stoffe was ihr wie sie sich wahrscheinlich einbildete die Würde einer Königin verlieh Blanche und Maria waren von gleicher Statur hoch und gerade wie Pappeln Maria war für ihre Größe zu schmächtig Blanche aber hatte den Wuchs einer Diana Natürlich be trachtete ich sie mit besonderem Interesse Erstens wollte ich sehen ob ihre Erscheinung mit Frau Fairfax Beschreibung übereinstimmte zweitens verlangte es mich zu wissen ob sie Aehnlichkeit mit dem Phantasiebilde habe das ich von ihr ent worfen und drittens es muß heraus ob ihre Erscheinung wohl Herrn Rochesters Geschmack zusagte Die rein äußerliche Erscheinung entsprach allerdings voll kommen der Vorstellung die ich mir von ihr gemacht hatte Die edle Büste die zierlich abfallenden Schultern der graziöse Hals die schwarzen Augen und die schwarzen Ringeln waren alle da und ihr Gesicht es war das ihrer Mutter nur jugendlich und ungefurcht dieselbe niedere Stirn die nämlichen Züge der nämliche Hochmut Freilich war es kein so finsterer Stolz sie lachte unaufhörlich ihr Lachen