für die meisten Bewohnerinnen von Lowood wertlos nur zuweilen legte aan ihnen eine Handvoll Blüten und Blätter in den Sarg Aber ich und die übrigen welche gesund blieben genossen in vollen Zügen die Schönheit der Gegend und der Jahreszeit man ließ uns wie Zigeuner im Walde umherstreifen wir taten von morgen bis abends nur was uns gefiel gingen wohin wir wollten — und wurden auch besser beköstigt Mr Brocklehurst und seine Familie kamen jetzt gar nicht mehr nach Lowood die Furcht vor Ansteckung hatte die geizige Wirtschafterin fortgetrieben ihre Nachfolgerin kannte die Gewohnheit Lowoods noch nicht und versorgte uns mit verhältnismäßiger Freigebigkeit Die Kranken konnten ja auch weniger essen Wenn sie keine Zeit hatte ein regelrechtes Mittagessen herzurichten ein Fall der ziemlich häufig eintrat pflegte sie uns ein großes Stück kalter Pastete zu geben oder ein großes Stück Brot und Käse damit gingen wir in den Wald hinaus wo jede von uns ihr Lieblingsplätzchen aufsuchte und ein üppiges Mahl hielt Und wo war inzwischen Helene Burns Weshalb brachte ich diese süßen Tage der Freiheit nicht mit ihr zu Hatte ich sie vergessen Oder war ich ihrer veredelnden Gesellschaft überdrüssig geworden Gewiß war Mary Ann Wilson jener meiner ersten Freundin nicht ebenbürtig sie konnte mir nur lustige Geschichten erzählen oder irgend einen witzigen Klatsch wiederholen der mir gerade Vergnügen machte während Helene wenn ich die Wahrheit über sie gesprochen habe geeignet war denen welche das Vorrecht die Begünstigung ihrer Unterhaltung genossen Sinn und Geschmack für höhere reinere Dinge einzuflößen Das ist wahr mein teurer Leser und ich wußte und fühlte das und obgleich ich ein unvollkommenes Geschöpf bin mit vielen Fehlern und wenigen guten Eigenschaften so war ich Helene Burns doch noch niemals überdrüssig geworden niemals hatte ich aufgehört für sie eine Liebe zu hegen die so stark so zärtlich und so achtungsvoll war wie nur je ein Gefühl mein Herz bewegt hat Wie hätte es denn auch anders sein können wenn Helene zu allen Zeiten und unter allen Umständen mir eine ruhige und treue Freundschaft bewiesen hatte welche keine böse Laune je verbitterte kein Streit jemals störte Helene war augenblicklich krank seit mehreren Wochen war sie meinen Augen bereits entrückt ich wußte nicht in welches Zimmer sie eine Treppe höher gebracht worden war Man hatte mir gesagt daß sie sich nicht in der Hospitalabteilung unter den Fieberkranken befände denn ihre Krankheit war die Schwindsucht nicht der Typhus und ich in meiner Unwissenheit stellte mir unter Schwindsucht eine harmlose Krankheit vor die durch Pflege und Fürsorge mit der Zeit geheilt werden müsse Als ich noch diesen Gedanken nachhing hörte ich wie die große Haustür geöffnet wurde Mr Bates trat heraus mit ihm eine Krankenwärterin Nachdem sie gewartet bis er aufs Pferd gestiegen und fortgeritten war wollte sie die Tür wiederum schließen Ich lief auf sie zu Wie geht es Helene Burns Sehr schlecht lautete die Antwort War Mr Bates ihretwegen gekommen Ja Und was sagt er Er sagt daß sie nicht mehr lange hier verweilen wird Im ersten Augenblick bemächtigte sich