mir den Atem zu rauben drohten ging ein Mädchen an mir vorbei Welch ein seltsames Licht strömten seine auf mich gerichteten Augen aus Es war als habe ein Held ein Märtyrer einem Sklaven Mut und Kraft eingeflößt Ich überwältigte den Weinkrampf der sich meiner bemächtigen wollte erhob das Haupt und stellte mich auf den Stuhl 8 Kapitel Der liebsten Freundin seliger Heimgang Aber die Entbehrungen oder richtiger gesagt die Mühseligkeiten in Lowood verringerten sich Der Frühling kam die Winterfröste hatten aufgehört der Schnee war geschmolzen die schneidenden Winde waren milder geworden Meine armen Füße welche im Winter entzündet waren begannen zu heilen An besonders sonnigen Tagen begann es schon angenehm und freundlich zu werden ein zartes Grün fing an sich über die braunen Beete auszubreiten Unter den Blättern blickten Blumen hervor Schneeglöckchen Krokus dunkelrote Aurikeln und goldäugige Stiefmütterchen An den schulfreien Donnerstagnachmittagen machten wir jetzt lange Spaziergänge und fanden am Feldrain unter den Hecken noch schönere Blumen Ich entdeckte auch daß ein großes Vergnügen außerhalb unseres Gartens lag Er bestand nämlich in der Aussicht auf eine lange Reihe hochgipfeliger grüner und schattiger Hügel und einen klaren Bach voll dunkler Steine und glitzernder Strudel Aus dem April wurde Mai ein klarer schöner Mai mit blauem Himmel und mildem Sonnenschein Die anscheinend dürren Ulmen und Eschen und Eichen wurden belaubt Waldpflanzen sproßten in allen Ecken und Vertiefungen und die wilden Schlüsselblumen bedeckten den Boden wie mit Sonnenstrahlen oft habe ich an schattigen Stellen ihren zarten goldigen Glanz für hellen Sonnenschein gehalten Und alles dies genoß ich frei unbewacht und fast immer allein Reizend in der Tat war die Lage von Lowood ob aber gesund oder nicht das ist eine andere Frage Das Waldtal in welchem Lowood lag war die Brutstätte von Nebeln welche Krankheiten in die Stiftung einführten Der Typhus brach aus und bevor der Mai herbeikam war die Erziehungsanstalt in ein Hospital umgewandelt Durch mangelhafte Ernährung und vernachlässigte Erkältungen war die Mehrzahl der Schülerinnen für die Ansteckung veranlagt von achtzig Mädchen lagen fünfundvierzig zu gleicher Zeit an der Krankheit danieder Die Schulstunden hörten auf alle Vorschriften blieben unbeachtet Den wenigen welche gesund blieben wurde eine fast unbeschränkte Freiheit gewährt denn der Arzt bestand zu ihrer Gesunderhaltung auf der Notwendigkeit häufiger Bewegung in freier Luft Miß Temple wohnte im Krankenzimmer niemals verließ sie es mit Ausnahme von wenigen Stunden der Nacht wo sie selbst etwas ruhte Viele welche bereits angesteckt waren kehrten nur nach Hause zurück um zu sterben einige starben in der Anstalt und wurden schnell und in der Stille begraben da die Natur der Krankheit keinen Aufschub gestattete Während so die entsetzliche Krankheit in Lowood wütete und der Tod so häufig Besuch hielt leuchtete draußen der strahlende Mai über stolze Hügel und den herrlichen Wald Der Garten prangte im Blumenflor Lilienkelche waren erschlossen Tulpen und Rosen standen in Blüte die Ränder der kleinen Beete strahlten in ihrem Schmuck von rosa Seenelken und dunkelroten Tausendschönchen Morgen und Abend strömten die Heckenrosen ihren würzigen Duft aus und diese blühenden Schätze waren jetzt