Erregungen welche diese wachrief Das Leben scheint mir doch zu kurz zu sein um es damit hinzubringen Feindseligkeit zu nähren und erduldete Unbill zu verzeichnen Ein jeder hat Fehler aber bald wird die Zeit kommen das hoffe ich zuversichtlich wo wir sie ablegen zusammen mit unserem vergänglichen irdischen Leibe wo wir Vergänglichkeit und Sünde mit diesem hinfälligen Fleische von uns streifen und nur der Geist zurückbleibt dieser unerschütterliche unverrückbare Grundstein des Lebens und des Gedankens so rein geblieben wie er war als er vom Schöpfer ausging um die Kreatur zu beleben er wird dorthin zurückkehren von wannen er kam vielleicht um in ein Wesen überzugehen das höher und erhabener ist als der Mensch vielleicht um zur Herrlichkeit einzugehen von der ohnmächtigen menschlichen Seele bis hinauf zum Seraph zu steigen Denn gewiß nimmer kann es doch sein daß wir umgekehrt vom Menschen zum Teifen degenerieren Nein Das kann ich nicht glauben Mein Glaubensbekenntnis ist ein anderes Niemand hat es mich jemals gelehrt und nur selten spreche ich davon aber es ist meine ganze Glückseligkeit und ich klammere mich fest daran denn es gewährt allen Hoffnung es macht die Ewigkeit zur Ruhe zum Frieden zur himmlischen Heimat nicht zum Schrecken nicht zum Abgrund Und außerdem gewährt dieser Glaube mir die Fähigkeit zwischen dem Verbrecher und seinem Verbrechen zu unterscheiden Ich bin imstande ersterem von Herzen zu vergeben während ich seine Tat verabscheue Und dieser mein Glaube macht auch daß Rachegefühl mein Herz niemals quält Zurücksetzung mich nicht zu tief verwundet Ungerechtigkeit mich niemals ganz zermalmen kann ich lebe in Frieden und denke an das Endel Helenens Kopf den sie immer ein wenig gesenkt trug sank noch tiefer herab als sie die letzten Worte sprach Ich sah es ihren Blicken an daß sie kein Verlangen trug noch länger mit mir zu reden daß sie gern mit ihren eigenen Gedanken allein sein wollte Man ließ ihr jedoch nicht Zeit zum Nachdenken Eine Aufseherin ein großes grobes Mädchen trat in diesem Augenblick an sie heran und rief in ausgeprägtem cumberländischen Accent Helene Burns wenn du nicht hinaufgehst und augenblicklich Ordnung in deiner Schieblade machst so werde ich Miß Scatcherd rufen und sie bitten sich die Sache anzusehen Helene seufzte als sie aus ihren Träumereien gerissen wurde aber sie erhob sich und gehorchte der Aufseherin ohne Zögern ohne Erwiderung 7 Kapitel Mr Brocklehurst stellt mich an den Pranger Das erste Vierteljahr in Lowood schien mir ein Menschenalter aber durchaus nicht das goldene Zeitalter es bedeutete einen ärgerlichen Kampf mit der Schwierigkeit mich an neue Regeln und ungewöhnte Aufgaben zu gewöhnen Während der Monate Januar Februar und März hinderte uns der tiefe Schnee weiter zu gehen als bis an die Mauern des Gartens nur der sonntägliche Weg in die Kirche machte eine Ausnahme aber innerhalb dieser Grenzen mußten wir jeden Tag eine Stunde in freier Luft zubringen Unsere Bekleidung war nicht hinreichend um uns gegen die strenge Kälte zu schützen Wir hatten keine Stiefel der Schnee drang in unsere Schuhe ein unsere Hände für welche es keine