daß wir Brot und Käse bekommen sollen Miß Temple O nein Ich wünschte wohl es gehörte ihr Sie muß Herrn Brocklehurst für alles was sie tut Rechenschaft ablegen Mr Brocklehurst kauft alle Nahrungsmittel und alle Kleider für uns Wohnt er hier Nein zwei Meilen von hier in einem großen Herrenhause Ist er ein guter Mann Er ist ein Geistlicher und man sagt daß er sehr viel Gutes tut Und wie heißen die anderen Lehrerinnen Die eine mit den roten Wangen heißt Miß Smith die kleine mit dem schwarzen Haar heißt Miß Scatcherd die dritte die ein Tuch trägt und das Taschentuch mit einem gelben Bande an der Seite festgebunden hat ist Madame Pierrot sie kommt aus Lisle in Frankreich Liebst du die Lehrerinnen O ja so ziemlich Liebst du auch die kleine Schwarze und die Madame Ich kann ihren Namen nicht so gut aussprechen wie du Miß Scatcherd ist heftig du mußt dich hüten sie ärgerlich zu machen Madame Pierrot ist leidlich Aber Miß Temple ist die beste nicht wahr Miß Temple ist sehr klug und sehr gut sie steht über all den anderen weil sie viel mehr weiß als sie Bist du schon lange hier Zwei Jahre Bist du eine Waise Meine Mutter ist tot aFühlst du dich hier glücklich Du fragst eigentlich viel Für jetzt habe ich dir genug geantwortet Jetzt will ich lesen In diesem Augenblick erklang die Glocke zum Mittagessen Alle kehrten zurück in das Haus Der Geruch welcher jetzt das Speisezimmer füllte war kaum appetitlicher als jener welcher unsere Nasen beim Frühstück empfangen hatte Das Mittagessen bestand aus Kartoffeln und seltsamen Fetzen rötlichen Fleisches die zusammen gekocht waren Von dieser Mischung wurde jeder Schülerin eine ziemlich große Portion vorgesetzt Ich aß soviel ich konnte und fragte mich still verwundert ob die Kost die anderen Tage ebenso wie heute sein würde Nach dem Mittagessen verfügten wir uns sofort in das Schulzimmer Die Stunden begannen von neuem und dauerten bis fünf Uhr Die einzig bemerkenswerte Begebenheit des Nachmittags bestand darin daß ich sah wie das Mädchen mit dem ich draußen gesprochen hatte von Miß Scatcherd gescholten wurde und inmitten des großen Schulzimmers stehen mußte Zu meinem größten Erstaunen weinte sie weder noch errötete sie gefaßt wenn auch ernst stand sie da Wie kann sie das so ruhig so gefaßt tragen fragte ich mich Wenn ich an ihrer Stelle wäre so würde ich doch gewiß wünschen daß die Erde sich öffnen möchte um mich zu verschlingen Ich möchte doch wissen was für ein Mädchen sie ist ob gut oder unartig Bald nach fünf Uhr nachmittags bekamen wir einen kleinen Becher Kaffee und eine halbe Schnitte Schwarzbrot Ich verschlang mein Brot und trank meinen Kaffee mit Behagen Aber ich wäre froh gewesen wenn ich noch einmal soviel gehabt hätte ich war noch hungrig Darauf folgte eine halbstündige Erholung und dann begannen die Schularbeiten von neuem Schließlich kam das Glas Wasser mit dem Stückchen Haferkuchen das Gebet und das Bett Das war mein erster Tag in Lowood 6 Kapitel Helene