1 Kapitel Im Hause der Tante zu Gateshead-Hall Der kalte Winterwind hatte so düstere Wolken und einen so durchdringenden Regen mit sich gebracht daß es unmöglich war an diesem Tage einen Spaziergang zu machen Eliza John und Georgina hatten sich im Wohnzimmer um ihre Mama geschart diese lag auf einem Sofa in der Nähe des Kamins und umgeben von ihren Lieblingen die zufälligerweise in diesem Augenblick weder weinten noch sich zankten sah sie vollkommen glücklich aus Ich durfte mich nicht daran beteiligen indem sie sagte daß sie mir erst verzeihen würde wenn ich mich ernstlich bestrebte mir ein kindlicheres offenherzigeres natürlicheres Benehmen anzueignen wie es zufriedenen Kindern gezieme Was habe ich getan fragte ich Jane ich liebe weder Spitzfindigkeiten noch Fragen es ist mir widerlich wenn ein Kind sich gegen ältere Leute in dieser Weise benimmt Setze dich irgendwo hin und schweig bis du freundlicher reden kannst Ein kleines Frühstückszimmer stieß an das Wohnzimmer ich schlüpfte hinein Hier stand ein Bücherschrank Bald hatte ich mich eines großen Bandes bemächtigt nachdem ich mich zuerst vorsichtig vergewissert hatte daß Bilder darin waren Ich stieg auf die Fensterbank zog die Füße nach und kreuzte die Beine wie ein Türke dann zog ich die dunkelroten MoireeVorhänge fest zusammen und saß so in einer doppelten Verborgenheit Ihr fürchtete nichts als eine Störung und diese kam nur zu bald Die Tür zum Frühstückszimmer öffnete sich Heda Träumerin r rief John Reed dann hielt er inne offenbar war er erstaunt das Zimmer leer zu finden Wo zum Teufel ist sie denn fuhr er fort Lizzy Georgy rief er seinen Schwestern zu Jane ist nicht hier Sagt doch Mama daß sie in den Negen hinausgelaufen ist das böse Tier Wie gut daß ich den Vorhang zusammengezogen habe dachte ich und dann wünschte ich inbrünstig daß er mein Versteck nicht entdecken möge er würde es auch niemals entdeckt haben er war langsam sowohl von Begriffen wie in seinem Beobachtungsvermögen aber Eliza steckte den Kopf zur Tür hinein und sagte sofort E I » daß der erwähnte Jack mich hervorziehen würde Da bin ich was wünschest du fragte ich mit Mißtrauen Es heißt Was wünschen Sie Mr Reed lautete seine Antwort John Reed war ein Schuljunge von vierzehn Jahren vier Jahre älter als ich denn ich war erst zehn Jahre alt groß und stark für sein Alter mit einer ungesunden Gesichtsfarbe große Züge in einem breiten Gesicht plumpe Gliedmaßen und große Hände und Füße Er quälte und schlug mich nicht etwa dann und wann sondern fortwährend und unaufhörlich jeder Nerv in mir fürchtete ihn wenn er in meine Nähe kam Es gab Augenblicke wo der Schrecken den er mir einflößte mich ganz verwirrt machte denn ich fand niemand der mich gegen seine Drohungen und Tätlichkeiten verteidigte Aus Gewohnheit gehorchte ich John auch dieses Mal und näherte mich seinem Stuhl ungefähr drei Minuten streckte er mir seine Zunge so weit entgegen wie er es ermöglichen konnte ich wußte daß er mich jetzt gleich schlagen würde und obgleich ich den Schlag fürchtete