heftig du musst dich hüten sie ärgerlich zu machen Madame Pierrot ist leidlich.’ Aber Miß Temple ist die beste nicht wahr ’ Miß Temple ist sehr klug und sehr gut sie steht über all den anderen weil sie viel mehr weiß als sie.’ Bist du schon lange hier ’ ‘Zwei Jahre.’ Bist du eine Waise Meine Mutter ist tot.’ ‘Fühlst du dich hier glücklich ’ Du fragst eigentlich viel Für jetzt habe ich dir genug geantwortet Jetzt will ich lesen.’ In diesem Augenblick erklang die Glocke zum Mittagessen Alle kehrten zurück in das Haus Der Geruch welcher jetzt das Speisezimmer füllte war kaum appetitlicher als jener welcher unsere Nasen beim Frühstück empfangen hatte Das Mittagessen bestand aus Kartoffeln und seltsamen Fetzen rötlichen Fleisches die zusammen gekocht waren Von dieser Mischung wurde jeder Schülerin eine ziemlich große Portion vorgesetzt Ich aß soviel ich konnte und fragte mich still verwundert ob die Kost der anderen Tage ebenso wie heute sein würde Nach dem Mittagessen verfügten wir uns sofort in das Schulzimmer Die Stunden begannen von neuem und dauerten bis fünf Uhr Die einzig bemerkenswerte Begebenheit des Nachmittags bestand darin daß ich sah wie das Mädchen mit dem ich draußen gesprochen hatte von Miß Scatcherd gescholten wurde und inmitten des großen Schulzimmers stehen mußte Zu meinem größten Erstaunen weinte sie weder noch errötete sie gefaßt wenn auch ernst stand sie da Wie kann sie das so ruhig so gefaßt tragen fragte ich mich Wenn ich an ihrer Stelle wäre so würde ich doch gewiß wünschen daß die Erde sich öffnen möchte um mich zu verschlingen Ich möchte doch wissen was für ein Mädchen sie ist ob gut oder unartig Bald nach fünf Uhr nachmittags bekamen wir einen kleinen Becher Kaffee und eine halbe Schnitte Schwarzbrot Ich verschlang mein Brot und trank meinen Kaffee mit Behagen Aber ich wäre froh gewesen wenn ich noch einmal soviel gehabt hätte ich war noch hungrig Darauf folgte eine halbstündige Erholung und dann begannen die Schularbeiten von neuem Schließlich kam das Glas Wasser mit dem Stückchen Haferkuchen das Gebet und das Bett Das war mein erster Tag in Lowood 6 Kapitel Helene Burns Der nächste Tag begann wie der vorige Wir standen beim Lampenlicht auf und kleideten uns an aber an diesem Morgen mußten wir von der Zeremonie des Waschens dispensiert werden das Wasser in den Wasserkrügen war gefroren Am Abend vorher war eine Veränderung im Wetter eingetreten und ein scharfer Nordostwind der die ganze Nacht durch die Ritzen in unseren Schlafzimmerfenstern gepfiffen hatte uns in unseren Betten vor Kälte beben und den Inhalt der Waschkrüge zu Eis gefrieren gemacht Bevor die langen anderthalb Stunden des Gebets und des Bibellesens zu Ende waren war ich nahe daran vor Kälte ohnmächtig zu werden Endlich kam die Frühstückszeit und an diesem Morgen war der Haferbrei nicht angebrannt die Qualität war eßbar die Quantität lies viel zu wünschen übrig Wie klein erschien mir doch meine Portion Ich wünschte sie wäre doppelt so groß gewesen Im Laufe des Tages wurde ich der