roten Zimmer zu schwinden es war nach vier Uhr und auf den bewölkten Nachmittag folgte die trübe Dämmerung Jane hörte wie der Regen noch unaufhörlich gegen das Fenster der Treppe schlug wie der Wind in den Laubgängen hinter dem Herrenhause heulte nach und nach wurde ihr so kalt wie Marmor und dann begann ihr Mut zu sinken Hilflose Traurigkeit bemächtigte sich ihrer und ihr Herz wurde voller Zweifel Alle sagten ja daß sie boshaft sei vielleicht war es der Fall denn hatte sie nicht soeben den Gedanken gehegt sich zu Tode zu hungern Das war doch gewiß ein Verbrechen denn war sie bereit zu sterben oder war das Grabgewölbe unter der Kanzel in der Kirche von Gateshead ein so einladendes Ende In diesem Gewölbe lag Mr Reed begraben wie man ihr gesagt hatte und dieser Gedanke führte Jane dazu sein Andenken herauf zu beschwören und mit wachsendem Grauen bei demselben zu verweilen Sie konnte sich seiner nicht erinnern aber sie wußte daß er ihr Onkel gewesen der einzige Bruder ihrer Mutter daß er sie in sein Haus aufgenommen als sie ein armes elternloses Kind gewesen und daß er noch in seinen letzten Augenblicken Mrs Reed das Vorsprechen abgenommen hatte sie wie ihr eigenes Kind zu erziehen und zu versorgen So zweifelte Jane jetzt nicht daß Mr Reed wenn er am Leben geblieben sie mit Güte behandelt haben würde und als sie so dasaß und auf die dunklen Wände und das weiße Bett blickte zuweilen auch wie gebannt ein Auge auf den trübe blinkenden Spiegel warf da begann sie sich an das zu erinnern was sie von Toten gehört hatte die im Grabe keine Ruhe finden konnten weil man ihre letzten Wünsche unerfüllt gelassen und jetzt auf die Erde zurückkehrten um die Meineidigen zu strafen und die Bedrückten zu rächen sie dachte wie Mr Reeds Geist gequält durch das Unrecht welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte seine Ruhestätte verließ und in diesem Zimmer vor ihr erscheinen könne Sie trocknete ihre Tränen und unterdrückte ihr Schluchzen denn sie fürchtete daß diese lauten Äußerungen ihres Grams eine übernatürliche Stimme zu ihrem Troste erwecken oder aus dem sie umgebenden Dunkel ein Antlitz mit einem Heiligenschein hervorleuchten lassen könne das sich mit wundersamem Mitleid über sie beugen werde Das würde entsetzlich sein und Jane bemühte sich deshalb solche Gedanken zu unterdrücken Sie strich das Haar von Stirn und Augen erhob den Kopf und versuchte in dem dunklen Zimmer umher zu blicken in diesem Augenblick erglänzte der Widerschein eines Lichtes an der Wand War es vielleicht der Mondesstrahl der durch eine Öffnung in dem Vorhang drang fragte sich Jane Nein das konnte nicht sein die Mondesstrahlen waren ruhig und dies Licht bewegte sich während sie noch hinblickte glitt es zur Decke hinauf und erzitterte über ihrem Kopfe Wahrscheinlich waren diese Lichtstreifen der Schimmer einer Laterne welche jemand über den freien platz vor dem Hause trug aber das erschreckte und aufgeregte Gemüt des Kindes hielt den sich schnell bewegenden Strahl für eine Erscheinung aus einer anderen