sie hat es sehr ungern getan aber wie ich die Dienstboten oft erzählen hörte nahm er ihr kurz vor seinem Tode das Versprechen ab stets für mich sorgen zu wollen Nun also Jane du weißt ja oder ich will es dir sagen daß wenn ein Verbrecher angeklagt wird man ihm stets gestattet seine eigne Verteidigung zu führen Man hat dich der Falschheit der Lügenhaftigkeit angeklagt verteidige dich vor mir so gut du kannst Sag alles was dein Gedächtnis als wahr rechtfertigen kann aber füge nichts hinzu verschweige nichts übertreibe nichts In der Tiefe ihres Herzens beschloß Jane sich zu mäßigen so genau wie möglich in ihrer Erzählung zu sein und nachdem sie einige Augenblicke nachgedacht hatte um das was sie zu sagen hatte zusammenhängend zu ordnen erzählte sie der Vorsteherin die ganze Geschichte ihrer traurigen Kindheit Durch die Erregung sehr erschöpft sprach sie in gemäßigteren Ausdrücken als sie es sonst zu tun pflegte wenn sie auf dieses qualvolle Thema kam und Helens Warnung gedenkend sich dem Rachegefühl nicht rückhaltslos hinzugeben ließ sie viel weniger Galle und Wermut in die Erzählung einfließen als es sonst wohl geschah So vereinfacht und beschränkt klang sie sehr glaubwürdig während sie sprach empfand sie daß Miß Temple ihr vollen Glauben schenkte Im Laufe der Erzählung hatte sie erwähnt daß Mr Lloyd gekommen sei um sie nach jenem Krampfanfalle zu besuchen denn niemals vergaß sie die für sie so entsetzliche Episode in dem roten Zimmer wenn sie diese Dinge erzählte konnte sie gewiß sein daß ihre Erregung in einem gewissen Grade die Grenzen überschritt denn noch hatte in ihrer Erinnerung die Todesangst sich frisch erhalten welche sich ihrer bemächtigte als Mrs Reed ihr wildes Flehen um Verzeihung verlachte und sie zum zweiten Male in das düstere gespenstische Zimmer sperrte Jane war zu Ende Schweigend betrachtete Miß Temple sie einige Minuten dann sagte sie Ich habe von Mr Lloyd gehört ich werde an ihn schreiben wenn seine Antwort mit deinen Angaben übereinstimmt so sollst j du öffentlich von jeder Anklage freigesprochen werden Für mich Jane stehst du schon jetzt unschuldig da Sie küßte Jane und behielt sie noch an ihrer Seite Jane gewährte das Betrachten ihres Angesichts ihres Kleides ihrer wenigen prunklosen Schmuckgegenstände ihrer weiße Stirn ihrer dicken glänzenden Locken und strahlenden schwarzen Augen ein kindliches Vergnügen Zu Helen Burns gewandt fuhr sie fort Wie geht es dir heute abend Helen Hast du während des ganzen Tages viel gehustet ’ Nicht ganz so viel wie sonst glaube ich Und der Schmerz in deiner Brust Er ist nicht mehr so heftig Miß Temple erhob sich nahm ihre Hand und prüfte den Puls Dann kehrte sie auf ihren Sitz zurück sie seufzte leise In Nachdenken versunken verharrte sie einige Minuten dann erwachte sie gleichsam und sagte fröhlich Aber heute abend seid ihr beide meine Gäste ich muß euch als solche bewirten Sie zog die Glocke Barbara sprach sie zu dem Mädchen welches hierauf eintrat ich habe noch keinen Tee getrunken bringe das Teebrett und bringe auch Tassen für diese