Tun Einhalt In Ermangelung jeder anderen Beschäftigung fing sie jetzt an auf die Eisblumen welche die Kälte auf die Fensterscheiben gezaubert hatte zu hauchen und sich so eine kleine Offnung auf dem Glase zu verschaffen durch welche sie in den Garten blicken konnte wo der harte Frost alles getötet und versteinert hatte Durch dieses Fenster war die Loge des Portiers und die Fahrstraße sichtbar und gerade als sie so viel von dem silberweißen Laubgewinde das die Scheiben verschleierte fortgehaucht hatte um hinausblicken zu können sah sie daß die Pforten geöffnet wurden und ein Wagen durch das Tor rollte Mit größter Gleichgültigkeit verfolgte sie ihn es kamen ja so oft Wagen nach Gateshead aber niemals brachten sie Besucher welche auch für sie nur das geringste Interesse hegten Der Wagen hielt vor dem Hause die Glocke wurde heftig gezogen der Besucher erhielt Einlaß Da dieser ganze Vorgang Jane nicht kümmerte fand ihre jetzt unbeschäftigte Aufmerksamkeit bald lebhaftere Anziehungskraft in dem Anblick eines kleinen hungrigen Rotkehlchens das sich piepend auf die entlaubten Zweige eines Spalierkirschenbaumes nahe am Fenster setzte Die Überreste ihres Frühstücks von Brot und Milch standen auf dem Tische und nachdem sie eine Semmel in Krümel zerrieben hatte zog sie an dem Klappfenster um die Brosamen auf das Fenstersims streuen zu können als Bessie atemlos in die Kinderstube stürzte Miß Jane nehmen Sie Ihre Schürze ab was machen Sie da Haben Sie heute morgen Gesicht und Hände schon gewaschen Bevor das Kind antwortete zog es noch einmal an der Fensterklinke denn sie wollte dem Vogel gern sein kleines Mahl sichern die Klinke gab nach sie streute die Brosamen aus einige auf das steinerne Gesimse andere auf die Zweige des Kirschbaumes dann erst schloß sie das Fenster und entgegnete Nein Bessie ich bin erst jetzt mit dem Aufräumen fertig geworden Unartiges unordentliches Mädchen Und was machen Sie da jetzt Sie sehen so rot aus als hätten Sie irgend ein Unheil angerichtet Weshalb haben Sie das Fenster aufgerissen Darauf zerrte Bessie Jane an den Waschtisch unterwarf ihre Hände und ihr Gesicht einer erbarmungslosen Waschung mit Seife Wasser und einem groben Handtuch ordnete ihren Kopf mit einer scharfen Bürste entkleidete sie der Schürze und riß sie dann schnell an die Treppe wo sie ihr gebot eilig hinunter zu gehen da man sie im Frühstückszimmer erwarte Jane hätte gern gewußt wer sie erwartete gern hätte sie gefragt ob Mrs Reed dort sei aber Bessie war schon wieder davon gelaufen und hatte die Kinderstubentür hinter sich geschlossen Langsam stieg Jane die Treppe hinunter Seit fast drei Monaten hatte Mrs Reed sie nicht mehr rufen lassen seit dieser Zeit war sie auf die Kinderstube angewiesen gewesen und das Frühstückszimmer der Speisesaal und der Salon waren für sie Räume geworden die sie nur mit Schrecken und Angst betreten konnte Sie stand jetzt in der leeren Halle vor ihr war die Tür des Frühstückszimmers zitternd und furchtsam hielt sie inne Zehn Minuten stand sie so ängstlich zögernd da ertönte heftiges Klingeln der Glocke im Frühstückszimmer und sie mußte eintreten