melancholisch einen Abend wie den anderen ganz allein sitzen zu müssen Zuweilen mußte Lea wohl hereinkommen und mir vorlesen aber ich glaube das gefiel dem armen Mädchen nicht besonders Im Frühling und Sommer geht es schon besser der Sonnenschein und die langen Tage bringen ange nehme Abwechslung und dann kam gerade zu Anfang dieses Herbstes die kleine Adele Varens mit ihrer Vonne ein Kind macht ein Haus gleich lebendig und jetzt da Sie hier sind werde ich ganz heiter sein Mein Herz erwärmte sich nur noch mehr für die würdige Dame als ich sie so reden hörte und ich zog meinen Stuhl ein wenig näher zu ihr hin und sprach meinen aufrichtigen Wunsch aus daß sie meine Gesellschaft so angenehm finden möge wie sie erwartete Aber ich will Sie nicht veranlassen diesen Abend zu lange aufzubleiben sagte sie es ist jetzt bereits zwölf und Sie sind den ganzen Tag gereist Sie müssen sich also ermüdet fühlen Wennn Sie sich Ihre Füße gut erwärmt haben will ich Ihnen ihr Schlaf zimmer zeigen Ich habe das Zimmer welches dem meinen zunächst liegt für Sie einrichten lassen es ist nur klein aber ich dachte es würde Ihnen besser gefallen als eins von den großen Vorderzimmern sie sind freilich schöner möblirt aber einsam und ich schlafe selber nie darin Ich dankte ihr für ihre rücksichtsvolle Wahl und da ich von meiner Reise wirklich ermüdet war erklärte ich mich bereit mich zur Ruhe zu begeben Sie nahm ihr Licht und ich folgte ihr aus dem Zimmer die Treppe hinauf Stufen und Geländer waren von Eichenholz das Fenster auf der Treppe war hoch und vergittert und dieses sowie die lange Gallerie auf welche die Thüren der Schlafzimmer hinaus führten sahen aus als ob sie eher einer Kirche als einem Hause angehörten Eine sehr kalte Luft wie in einem Gewölbe herrschte auf der Treppe und der Gallerie und es war mir lieb als ich endlich in mein Zimmer geführt wurde es klein und in dem gewöhnlichen modernen Styl möblirt zu finden Als Mistreß Fairfax mir freundlich gute Nacht gewünscht und ich meine Thür verriegelt hatte sah ich mich gemächlich um Der unerfreuliche Eindruck den die weite Vorhalle die dunkle und geräumige Treppe sowie die lange und kalte Gallerie auf mich gemacht hatten wurde durch den wohnlicheren Anblick meines kleinen Zimmers verdrängt und ich freute mich daß ich nach einem Tage körperlicher Anstrengung und ängstlicher Erwartung jetzt endlich sicher im Hafen sei Dankbarkeit schwelgte mein Herz ich kniete neben meinem Bette nieder und brachte Gott meinen Dank dar auch vergaß ich nicht ihn um weitere Hilfe zu bitten und um Kraft die Güte zu verdienen womit man mir hier entgegen gekommen war Zugleic h ermüdet und zufrieden schlief ich bald fest ein Als ich erwachte war es heller Tag Das Zimmer erschien mir als eine sehr hübsche kleine Heimstätte als die Sonne zwischen den Fenster vorhängen hereinlugte und mir die tapezierten Wände und den mit Teppichen belegten Fußboden zeigte so unähnlich den rohen Dielen und den angespritzten Kalkwänden