Sie belehrte gern und ich fragte gern so fanden wir viel Unterhaltung an unserem gegenseitigen Umgange wenn wir auch nicht sehr dadurch gebessert wurden Und wo war inzwischen Helene Burns Warum brachte ich diese lieblichen Tage der Freiheit nicht mit ihr zu War ich so leichtsinnig so unwürdig daß ich ihrer veredelnden Gesellschaft überdrüssig geworden Gewiß stand Maria Anna Wilson meiner ersten Bekannten nach sie konnte mich nur angenehm unter halten während Helene befähigt war denen welche sich ihres Umganges erfreuten einen Geschmack an höheren Dingen einzuflößen Obgleich ich ein mangelhaftes Geschöpf war mit vielen Fehlern und wenigen aussöhnenden Eigenschaften so wurde ich doch der Gesellschaft Helenens niemals müde und hörte nie auf ein so zärtliches und bewunderndes Gefühl für sie zu hegen wie nur je eins mein Herz belebte Aber Helene war jetzt krank schon seit einigen Wochen war sie mir aus dem Gesichte gekommen und ich wußte nicht in welchem Zimmer sie sich befand Man sagte mir sie sei nicht in dem zum Hospitale eingerichteten Theile des Hauses denn sie leide an der Auszehrung und nicht an Typhus und unter Auszehrung verstand ich in meiner Unwissenheit ein ungefährliches mildes Leiden was durch Zeit und Sorgfalt wieder geheilt werde könne Ich wurde in diesem Irrthum durch den Umstand bestärkt daß sie einige Mal an sehr warmen und sonnigen Nachmittagen von Miß Temple im Garten umhergeführt wurde Aber bei diesen Gelegenheiten wurde es mir nicht gestattet zu ihr zu gehen und mit ihr zu reden ich sah sie nur vom Schulfenster aus und nicht einmal deutlich denn sie war einge hüllt und saß in einiger Entfernung unter dem bedeckten Gange Eines Abends zu Anfang Juni war ich mit Maria Anna sehr lange im Walde geblieben wir hatten uns wie gewöhnlich von den anderen getrennt und waren weit umhergewandert so daß wir uns ver irrt hatten und in einer einsamen Hütte wo ein Mann und eine Frau wohnten die eine halbwilde Schweineherde hüteten nach dem Wege fragen mußten Als wir zurückkehrten stand ein Pferd an der Gartenthür welches wir als das des Arztes erkannten Maria Anna sprach die Vermuthung aus es müsse Jemand sehr krank sein da man Herrn Bates noch so spät habe rufen lassen Sie ging in 's Haus und ich blieb zurück um eine Handvoll Wurzeln in meinem Garten zu pflanzen die ich im Walde ausgegraben hatte Es war ein angenehmer heiterer und warmer Abend der noch glühende Westen verhieß einen schönen Morgen Im dunklen Osten stieg majestätisch der Mond empor Ich betrachtete diese herrliche Na turscene und erfreute mich ihrer wie ein Kind es kann als mir wie oft zuvor der Gedanke beikam Wie traurig jetzt auf dem Krankenlager zu liegen und in Todesgefahr zu sein Diese Welt ist schön es muß schrecklich sein von ihr abgerufen zu werden und gehen zu müssen wer weiß wohin Und dann machte mein Geist seine erste ernste Anstrengung zu begreifen was man mir von Himmel und Hölle gesagt hatte und zum ersten Male ließ mich meine Fassungsgabe im Stich Alles